Inside: Singulus
Schnäppchen mit Risiko

Im schwierigen Markt für Anlagen zur Herstellung von CDs und DVDs hat Singulus durch die Übernahme des Konkurrenten Steag Hamatech seine Marktführerschaft ausgebaut. Da Steag Hamatech aber rote Zahlen schreibt, stehen Restrukturierungsaufwendungen in noch unbekannter Höhe an.

DÜSSELDORF. Singulus, 1995 gegründet, ist der einzige Vollsortimenter am Markt, der sowohl Anlagen für die Herstellung bereits bespielter CD und DVD im Programm hat als auch Maschinen für optische Speichermedien, die Musik oder Filme aufnehmen können. Auch in Flautezeiten hat das Unternehmen stets Gewinne gemacht, während Konkurrenten Verluste einfuhren. Die Bilanz ist fast frei von Finanzschulden bei einer komfortablen Eigenkapitalquote von rund 65 Prozent. Nur der Börsenkurs hat die Werte aus den Glanzzeiten der Hitech-Euphorie von vor fünf Jahren nie mehr erreicht, wenn er sich im letzten Halbjahr auch fast verdoppelt hat.

Die Übernahme von Steag Hamatech, der Nummer zwei am Weltmarkt, hat viele Vorteile. Beide Unternehmen ergänzen sich gut: Singulus hält bei Anlagen für die Herstellung bereits beschriebener Formate, wie sie vor allem die Musik- und Filmindustrie nutzt, Marktanteile von über 60 Prozent. Steag Hamatech hat sich bei Maschinen zur Fertigung einmal beschreibbarer CD und DVD einen Marktanteil von rund 20 Prozent erobert. Auch regional gewinnt Singulus, da Steag Hamatech über eine starke Stellung bei den wichtigen Kunden in Asien verfügt. Singulus baut seine Marktführerschaft gegenüber Wettbewerbern wie der Schweizer Unaxis und Anwell aus Singapur weiter aus.

Die Übernahme wird maximal 36,6 Millionen Euro kosten, Singulus hat aber 50 Millionen Euro in der Kasse. Zudem winkt dem Käufer noch ein zusätzliches Bonbon: Der Kaufpreis liegt unter dem Buchwert.

Denn Steag Hamatech ist keine Erfolgsstory: Das seit 1999 an der Börse notierte Unternehmen hat zuletzt für 2003 einen Gewinn ausgewiesen. Grund ist die Konzentration auf Anlagen für einmal beschreibbare CD. Dieses Geschäft ist besonders umkämpft. Deshalb wollte der Eigentümer RAG bereits seit längerem verkaufen, verlangte aber offenbar einen zu hohen Preis, so dass sich die Parteien nicht einig wurden.

Trotzdem bleibt der Kauf für Singulus nicht ohne Risiko. Da Steag Hamatech rote Zahlen schreibt, stehen Restrukturierungsaufwendungen in noch unbekannter Höhe an. Steag hatte bereits vor der Ankündigung der Übernahme den Abbau von 75 der derzeit noch 275 Stellen angekündigt. Weitere Aufwendungen werden folgen, denn zahlreiche Doppelfunktionen dürften in der Verwaltung und Entwicklung abgebaut und die Produktpalette gestrafft werden.

Doch auch für eine durch den Zukauf gestärkte Singulus bleibt die Zukunft nicht ohne Risiken. Der Markt steht vor der Einführung der optischen Speichermedien der dritten Generation. Dies bedingt hohe Entwicklungskosten bei einem derzeit schwachen Markt. Zudem ist immer noch nicht entschieden, welche der beiden konkurrieren Technologien sich durchsetzen wird. Deshalb warten viele Hersteller der CD und DVD erst einmal mit ihren Investitionen ab und verschieben die anstehenden Käufe. Singulus entwickelt bisher Maschinen für beide Formate. Dadurch sind sie zwar für jede Technologie gerüstet, doch es ist eine teure Strategie. Sollten jetzt noch unerwartet hohe Sanierungsaufwendungen für Steag Hamatech dazukommen, könnte die einst als so stark gerühmte Ertragskraft von Singulus in Gefahr geraten.

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