Inside: SMT Scharf
Potenzial Unter Tage

Der westfälische Bergwerksausrüster SMT Scharf gehört zu den wenigen Börsenneulingen dieses Jahres, der die Anleger nicht enttäuscht hat. Doch nicht nur auf dem Parkett bildet der Mittelständler eine Ausnahme.

DÜSSELDORF. Aktuell notiert die Aktie von SMT Scharf leicht über dem Ausgabepreis im April von 9,50 Euro. Mit 22 der insgesamt 29 Neuemissionen 2007 konnten die Erstzeichner der Aktien dagegen kein Geld verdienen.

In vielerlei Hinsicht bildet der Mittelständler eine Ausnahme: SMT Scharf belegt eine weltweit führende Position bei entgleisungssicheren Bahnsystemen für den Untertagebergbau. Doch ist dies ein Markt, den eine breite Öffentlichkeit überhaupt nicht kennt. Mit einer operativen Marge (Ebit) um die 16 Prozent verdient der Mittelständler, der von 1990 bis 2006 zum Bergwerks- und Industriekonzern RAG gehörte, für einen Maschinenbauer ungewöhnlich gut. Aber mit einem Börsenwert um die 40 Millionen Euro kommt die Aktie für Großanleger wie Fonds und Versicherer nicht in Frage - für diese ist der Markt einfach zu eng. Und bislang gibt es nur einen einsamen Analysten, der sich regelmäßig mit SMT Scharf befasst. Kurzum, der Vorstand muss die Equity-Story selbst unters Anlegervolk bringen.

Die hört sich zunächst gar nicht gut an. Der wichtigste Absatzmarkt für das Unternehmen aus Hamm schrumpft seit Jahren. Und in diesem Frühjahr hat die Politik beschlossen, bis zum Jahr 2012 weitere vier der noch acht verbliebenen Steinkohlenzechen an Ruhr und Saar zu schließen. Und sechs Jahre später ist wahrscheinlich endgültig Schicht im Schacht - jedenfalls sprechen im Moment alle Argumente für ein Auslaufen des deutschen Bergbaus im Jahr 2018.

Außerhalb Deutschlands sind die Perspektiven allerdings glänzend. Experten gehen davon aus, dass der weltweite Markt für Bergwerksausrüstungen in den nächsten Jahren im Schnitt um zehn bis 15 Prozent wachsen wird. Und falls es SMT Scharf auch weiterhin gelingt, das wegbrechende Inlandsgeschäft durch eine forcierte Auslandsexpansion mehr als auszugleichen, wird das Unternehmen nicht beim aktuellen Umsatz von 50 Millionen Euro stehen bleiben.

Bereits knapp 70 Prozent des Geschäfts macht SMT Scharf im Ausland; 2006 waren es erst 52 Prozent. Nach einem Millionenauftrag im Juni hat Russland Polen als wichtigsten Auslandsmarkt verdrängt. Im nächsten Schritt will SMT Scharf einen weiteren Servicestützpunkte in Russland errichten. Denn das Geschäft mit Instandhaltung und Reparaturen ist deutlich lukrativer als das Neugeschäft. Aufhorchen ließ vor wenigen Tagen ein weiterer Großauftrag aus China, den SMT Scharf gegen starke osteuropäische Konkurrenz erhalten hat

Um das Wachstum zu beschleunigen, denkt Vorstandschef Friedrich Trautwein auch über Zukäufe nach. Dafür liegen zwölf Millionen Euro in der Kasse. Zumindest die beiden Finanzinvestoren, die die Firma 2006 für 24 Millionen Euro von der RAG erwarben, hatten das Potenzial von SMT Scharf erkannt. Bereits nach einem Jahr strichen sie beim Börsengang eine Rendite von mehr als 60 Prozent ein.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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