Inside: Stada
Teure Unabhängigkeit

Die Strategie ist schlüssig. Mit seiner Entscheidung, sich aus dem problematischen US-Markt zurückzuziehen und stattdessen mit der Übernahme der serbischen Firma Hemofarm groß in die wachstumsstarken Märkte Osteuropas und Russlands einzusteigen, konzentriert sich der Arzneihersteller Stada voll auf das, was er kann.

FRANKFURT. Doch während der Aktienmarkt den jüngsten Coup der Hessen feiert, wirft ein Blick auf die absehbare Verschuldung unangenehme Fragen auf. Stada will für den größten Zukauf der Firmengeschichte fast die Hälfte des eigenen Jahresumsatzes aufbringen. Da sich aber das Unternehmen schon seit einigen Jahren äußerst kauffreudig gezeigt hat, ist die Kriegskasse leer.

Den Aktienmarkt um frisches Geld anzugehen, wäre angesichts der aktuellen Talfahrt der Kurse ein heikles Unterfangen. Zumal die Aktie des Herstellers von Generika (patentfreien Nachahmer-Medikamenten) bereits unter Druck stand, als an der Börse noch eitel Sonnenschein herrschte. Auslöser war die Ankündigung der großen Wettbewerber Hexal, Sandoz und Ratiopharm, die Preise für viele Produkte auf dem deutschen Markt zu senken. Wollte sie ihre Position auf dem Heimatmarkt nicht gefährden, konnte Stada gar nicht anders als mitzuziehen.

Den Anleger freut es, dass Stada zur Finanzierung der Übernahme keine neuen Anteile ausgab, die den Gewinn pro Aktie verwässern würden. Ob die Freude lange währt, steht angesichts der allgemein erwarteten Zinserhöhungen auf einem anderen Blatt. Denn die Fremdfinanzierung treibt Stadas Verschuldung auf einen neuen Rekordstand.

Nach vorläufigen Unternehmensangaben wird die Nettoverschuldung nach der Übernahme auf 720 bis 730 Millionen Euro steigen. Folgt man den Analysten in der Annahme, dass Stada einschließlich Hemofarm gut 1,2 Milliarden Euro umsetzen wird, bedeutet dies, dass Stada mit 60 Prozent des Jahresumsatzes bei seinen Gläubigern in der Kreide steht. Kein Pappenstiel, wenn man bedenkt, dass die weltgrößte Rating-Agentur S & P die Bonität von Bayer kürzlich drastisch abwertete, als deutlich wurde, dass die Nettoverschuldung auf 40 Prozent des Umsatzes zu steigen drohte.

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