Inside: Strabag
Haselsteiners Husarenstück

Österreich hat offenbar eine Schwäche für Patriarchen, anscheinend besonders in der Baubranche. Mit dem russischen Milliardär Oleg Deripaska bekommt Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner einen passenden Gesellschafter. Um den Einstieg des Russen klar zu machen, hat Haselsteiner sogar den Börsengang der Strabag verschoben.

DÜSSELDORF. Was viele in Österreich als gelungenen Coup feiern, da Strabag nun groß ins Russlandgeschäft einsteigt, gilt anderen, wenn nicht als unseriös, so doch als riskantes Husarenstück. Ganz nebenbei haben auch die Altgesellschafter der Strabag, die Versicherung Uniqua und Haselsteiner selbst, durch den Verkauf eigener Aktien kräftig Kasse gemacht.

Doch wer ist Oleg Deripaska? Sicher, seine Biografie war überall zu lesen. Wie die anderen so genannten russischen Milliardäre liefert er genug Material, allerdings vor allem für die Klatschspalten. Auf was lässt sich Haselsteiner da eigentlich ein? Oder sollte man besser fragen, auf wen? Wird das alles gut gehen? Die Fragen sind nur schwer zu beantworten.

Möglicherweise hat Haselsteiner aber auch eine gute Chance wahrgenommen. Denn sicher ist, dass die Nähe Österreichs zu Osteuropa Tradition hat. Berührungsängste gibt es nicht. Sicher ist auch: Im Osten locken gute Geschäfte. An Bauaufträgen dürfte angesichts des enormen Nachholbedarfs in der Infrastruktur kein Mangel herrschen, im Gegenteil. Wer aber in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion Geschäfte machen will, muss vor Ort sein und vor allem zuverlässige einheimische Partner im Boot haben. Die Betonung liegt auf „zuverlässig“. Das wird sich dann zeigen.

Last, but not least: Der Russe bringt Geld mit, viel Geld. Woher es kommt, scheint gleich. Wahrscheinlich ist es viel mehr, als für Haselsteiner mit der Strabag an der Börse zu holen gewesen wäre. Das erleichtert den Auf- und Ausbau der Strabag zu einem der größten Baukonzerne Europas. Warum also dumme Fragen stellen?

Dies alles dürfte Haselsteiner dann wohl auch dazu bewogen haben, Deripaska als Partner zu akzeptieren. Sollte alles reibungslos gelingen und sich der wirtschaftliche Erfolg einstellen, dann müsste sich Haselsteiner auch über den Börsengang nicht weiter den Kopf zerbrechen. Denn der drohte sogar zu platzen. Zahlreiche „Baustellen“ im Konzern lasten auf den Börsenplänen der Strabag, vor allem in Deutschland.

Zweifel wurden immer lauter. Hier zu Lande kommt zwar der Umbau des Konzerns mit den Töchtern Strabag AG in Köln und Ed. Züblin in Stuttgart voran. Beide glänzen mit guten Geschäftsergebnissen. Doch spuckt in Stuttgart ein Minderheitsaktionär der Ed. Züblin Haselsteiner fortwährend in die Suppe.

Und in Köln spekulieren die Minderheitsaktionäre der AG auf ein Abfindungsangebot von Haselsteiner, der die Straßenbau-Tochter am liebsten von der Börse nehmen würde, um frei schalten und walten zu können. Seit Januar hat sich aber der Wert der Strabag-Aktie verdoppelt. Haselsteiner dürfte das Übernahmeangebot vergällt sein. Er versucht bereits, den Kurs zu drücken: Der Kurssprung beruhe auf einer Verkennung der Situation, schimpft er. Mit dem Russlandgeschäft habe die Kölner Strabag überhaupt nichts zu schaffen und werde davon auch nicht profitieren. Zu allem Überfluss sorgt auch noch ein Bestechungsskandal in Chemnitz für Negativ-Schlagzeilen und zusätzliche Kosten. Die Niederlassung musste geschlossen und eine pauschale Risikovorsorge getroffen werden. Das Image des Konzerns ist angekratzt.

Nun hat Haselsteiner mit Deripaska völlig überraschend ein Ass aus dem Ärmel gezaubert. Hoffentlich endet das Spiel nicht als russisches Roulette.

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