Inside: Suez
Im Stich gelassen

Mit dem Ende des Kampfes um die spanische Endesa rückt die andere europäische Großfusion im Energiesektor wieder in den Blickpunkt: die der beiden französischen Konzerne Suez und Gaz de France (GDF). Selbst die beteiligten Manager glauben kaum noch, dass sie gelingt. Damit drängt sich die Frage auf: Was wird aus Suez, sollte die Fusion mit GDF tatsächlich scheitern?

PARIS. Anleger bringen sich bereits in Stellung: Am gestrigen Dienstag, einen Tag nach der Einigung zwischen Eon und Enel, legte die Suez-Aktie um über zwei Prozent zu. Nach der Niederlage in Spanien, spekulieren die Märkte, könnte Eon nun sein Glück in Frankreich mit Suez versuchen.

Ironie der Geschichte: Es waren Politiker, genauer gesagt Frankreichs Regierungschef Dominique de Villepin, der im Frühjahr 2006 aktive Geburtshilfe für die Fusion zwischen Suez und Gaz de France leistete. Im Zuge des „Wirtschaftspatriotismus“ galt es, Suez vor einer Übernahme durch Italiens Enel zu schützen. Und nun sind es erneut Politiker, die das Projekt zu Grabe tragen: Die beiden aussichtsreichsten Kandidaten auf das Amt des Staatspräsidenten haben sich offen gegen die Fusion gestellt: Die Sozialistin Ségolène Royal will die Privatisierung von Gaz de France rückgängig machen und den Gasversorger mit dem staatlichen Stromriesen EDF liieren. Und ihr konservativer Gegenspieler Nicolas Sarkozy plädiert dafür, Gaz de France mit einem Gasproduzenten wie der algerischen Sonatrach zu verheiraten.

Daher rückt Suez als Übernahmeziel wieder in den Fokus. Nach außen gibt sich Konzernchef Gérald Mestrallet gelassen: Er verweist auf die Top-Ergebnisse seines Strom- und Wasserversorgers, der mit 3,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr so viel wie noch nie verdient hat. Suez habe daher genügend Mittel, um erst einmal alleine im Wettbewerb zu bestehen.

Doch eben weil Suez wirtschaftlich gut dasteht und außer dem belgischen Milliardär Albert Frère keinen Großaktionär hat, scheint die These einer eigenständigen Zukunft der französisch-belgischen Gruppe (zu Suez gehört der belgische Stromanbieter Electrabel) wenig wahrscheinlich.

Der Jäger, der Frankreich Spitzenpolitik vor einem Jahr aufgeschreckt hatte, fällt als potenzieller Käufer vorerst aus: Enel wird jetzt erst einmal die Übernahme von Endesa verdauen müssen.

Ganz anders sieht es bei Eon aus: Der deutsche Stromriese gilt in Branchenkreisen als heißer Anwärter auf einen Kauf von Suez. Zum einen sitzt Konzern-Chef Wulf Bernotat auf einer prall gefüllten Kriegskasse. Finanziell hätte Eon gewiss die Kraft, sich die rund 50 Milliarden Euro schwere Suez einzuverleiben.

Es kommt hinzu: Über den Verkauf der Umwelt- und Wassersparte könnte sich eine Übernahme zum Teil refinanzieren lassen. Mit Veolia, dem französischen Milliardär Francois Pinault oder dem Fonds Eurazeo gibt es gleich drei ernsthafte Kaufkandidaten für das Wassergeschäft von Suez.

Beobachter glauben, dass ein Zusammenschluss von Eon und Suez auch industriell sehr viel Sinn ergeben würde. Denn die Versorgungsgebiete Frankreich, Belgien und Deutschland grenzen unmittelbar aneinander. Es bedarf lediglich der Einrichtung so genannter Grenzübergangspunkte, um die jeweiligen Stromnetze miteinander zu verknüpfen. Damit könnte Eon auf die Atomstrom-Kapazitäten der Suez-Tochter Electrabel in Belgien zurückgreifen, und sie bei Bedarf deutschen Kunden zugänglich machen.

Suez hatte vor Jahren erfolglos mit Eon-Vorgänger Veba über eine Fusion verhandelt. Angesichts der politischen Sensibilität des Sektors (Atomkraft in Belgien) müsste ein zweiter Annäherungsversuch deshalb sorgfältig vorbereitet werden.

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