Inside: Sun Microsystems
Koordinaten verschoben

Scott McNealy ist der klassische Hightech-Pionier, und das von ihm 1982 mit gegründete Unternehmen Sun Microsystems eine Ikone des Silicon Valley: innovativ, risikofreudig und selbstbewusst.

PORTLAND. Mit ihren Sparc-Servern, ihrem Betriebssystem Solaris und der Programmiersprache Java lieferte Sun wichtige Bausteine für die Popularisierung des Internets. Und mit seinem Werbespruch „das Netzwerk ist der Computer“ formulierte McNealy vor allen anderen die Zukunft der Informationstechnologie.

Gleichwohl gehörte Sun zu den großen Verlierern seit dem Platzen der Hightech-Blase im Jahr 2001. Denn McNealy, dessen Managerqualitäten auf Expansion geeicht waren, fand lange kein Rezept gegen den Abschwung. Erst im April dieses Jahres trat er den Vorstandsvorsitz an Jonathan Schwartz ab. Nach fünf Jahren stetig sinkender Ergebnisse, unerreichter Ziele und falscher Versprechungen hatte der kämpferische, amüsante und hochintelligente McNealy jede Glaubwürdigkeit an der Wall Street verloren.

Auch Schwartz hat Zweifler. Kann er aus dem Schatten seines Vorgängers und Mentors heraustreten? Wird er das Unternehmen aus seiner Identitätskrise erlösen und auf eine profitable Größe schrumpfen? Die erste Antwort, die Schwartz gab, fand gemischten Beifall. Anfang Juni verkündete Sun den Abbau von bis zu 5 000 Arbeitsplätzen oder 13 Prozent der weltweiten Belegschaft und den Verkauf von Bürogebäuden im Silicon Valley. „Zu wenig, zu spät“, befanden seinerzeit viele Analysten.

In einem Jahr strebt Sun eine Umsatzrendite von vier Prozent an. Der Konzern geht davon aus, mit Erlösen von 13 Milliarden Dollar wieder Geld verdienen zu können. Nach dem aktuellen Restrukturierungsplan will Sun die Kosten um 590 Millionen Dollar pro Jahr senken. Damit kommt das Unternehmen, das zuletzt mehr als eine halbe Milliarde Dollar netto verlor, aber nicht aus dem Schneider. Suns Jahresumsatz in vier Jahren um fast 40 Prozent ein. Erst jetzt stabilisieren sich die Erlöse. Was Sun aber braucht ist Wachstum.

Den Gipfel seiner Erfolges im Hightech-Boom der 90er-Jahre erklomm Sun mit einem geschlossenen System aus hauseigener Software und leistungsfähigen Workstations und Servern. McNealy, der sich auf Microsoft als Lieblingsfeind eingeschossen hatte, nahm den Trend zu billigeren, standardisierten Servern mit Intel-Chips von Dell, Hewlett-Packard und IBM sowie dem von IBM stark geförderten Betriebssystem Linux auf die leichte Schulter. Als die Krise begann, konnte sich McNealy nicht für Software oder Hardware entscheiden und gab auf beiden Gebieten weiter viel Geld für Forschung und Entwicklung aus.

Viel zu spät schloss er vor zwei Jahren einen Burgfrieden mit Microsoft und suchte die Kooperation mit dem Chiphersteller AMD. Mittlerweile gibt es 32- und 64-bit-Versionen von Solaris für die billigeren Chips von AMD und Intel und Sun propagiert Solaris und Java als Plattform für Linux- und Windows-Anwendungen. Aber im Softwaregeschäft haben sich die Koordinaten mit dem Aufkommen von Google und dem Angebot von Software als Internetservice erneut verschoben.

Spätestens Anfang 2007 muss Schwartz zeigen, dass Sun nicht nur eine glorreiche Vergangenheit, sondern auch eine Zukunft als unabhängiger Softwareanbieter hat.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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