Inside: Thiel Logistik
Neustart vermasselt

Es sah alles so gut aus: Thiel Logistik hat sich erfolgreich restrukturiert und kräftig schwarze Zahlen geschrieben. Mit der Pleite des Möbelherstellers Schieder zeigte sich jedoch, wie abhängig das Unternehmen von Großkunden ist. So wird der Neustart wohlmöglich zum Fehlstart.

DÜSSELDORF. Die Insolvenz des Möbelherstellers Schieder vermasselt der Thiel Logistik den Neubeginn. Mögliche hohe Abschreibungen als Folge der Pleite des Großkunden könnten die Ergebnisplanung und damit die Sanierungsbemühungen zunichte machen. Aus dem einstigen „Gemischtwarenladen“ Thiel will das Management um den Verwaltungsratsvorsitzenden Berndt-Michael Winter einen „integrierten Logistikkonzern“ schaffen und „die Weichen für profitables Wachstum“ stellen. Gleiche Geschäfte wurden in den drei neuen Geschäftsfeldern Solutions (Kontraktlogistik), Air & Ocean (Luft- und Seefracht) sowie Road &Rail (Landverkehr) gebündelt. Führungsaufgaben wurden dezentralisiert und Hierarchien abgebaut. Operative Prozesse wurden wie IT, Rechnungs- oder Personalwesen vereinheitlicht. Kurzum, aus einem losen Verbund zusammengekaufter Unternehmen ist ein Konzern entstanden. Anfang Juli war Startschuss für die neue Struktur.

Erste Erfolge haben sich eingestellt. Nachdem Thiel 2006 wieder die schwarzen Zahlen erreicht hat, stehen die Zeichen auf Wachstum. Getragen von der guten konjunkturellen Entwicklung ist in diesem Jahr mit einer satten Ergebnissteigerung zu rechnen – bereinigt um die einmaligen Restrukturierungskosten. Schon im ersten Halbjahr hat sich der Logistiker recht ordentlich geschlagen. Winter peilt mittelfristig eine Umsatzmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von drei Prozent an. Derzeit sind es 1,8 Prozent.

Doch die Schieder-Pleite droht Thiel wieder zurückzuwerfen. Zeigt die hohe Abhängigkeit von diesem einen Großkunden doch auch, wie wackelig der Logistiker immer noch auf den Beinen steht. Schieder steht für rund die Hälfte des Umsatzes von Thiel Furniture, der Möbelsparte von Thiel, die mehrheitlich zur Delton AG des BMW-Erben Stefan Quandt gehört. Der hatte Thiel im Jahr 2002 vom Gründer Günter Thiel gekauft. Dieser hatte durch zahllose Zukäufe aus dem Lkw-Spediteur einen Logistiker gezimmert. Die Thiel-Story profitierte dabei aber auch stark vom Börsenfieber am Neuen Markt. Doch bald nach dem Börsencrash stellte sich heraus, dass bei Thiel Umsatzwachstum offenbar vor Ergebnisqualität gegangen war. Günter Thiel hatte noch rechtzeitig verkauft. Auf den Problemen blieb schließlich der Käufer sitzen.

2003 startete Delton mit der Neuausrichtung von Thiel. Doch auch Ex-Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff brachte nicht den schnellen Sanierungserfolg. Zu guter letzt schickte Delton eigene Manager nach Grevenmacher, um Thiel auf Vordermann zu bringen. Dies zeigt nun offenbar Wirkung – doch jetzt verhagelt Schieder möglicherweise den Erfolg.

Winter bezifferte das von der Pleite betroffene Umsatzvolumen zwar auf nur 20 Millionen Euro – bei rund zwei Milliarden Euro Konzernumsatz. Den möglichen Abschreibungsbedarf sieht er aber bei 26 Millionen Euro – bei einem Ebit von zuletzt 24 Millionen Euro. Da Thiel einst die Logistik von Schieder übernommen hatte, beträgt allein die mögliche Abschreibung auf den Goodwill (Firmenwert) 12,3 Millionen Euro. Hinzu kommen mögliche Abschreibungen auf Immobilien, wie ein Logistikzentrum für die Schieder-Werke.

Nun hängt die „Neueinschätzung der Werthaltigkeit dieser Vermögenswerte“ vom Insolvenzverwalter ab. Sollte er die Geschäfte nicht durch Fortführung oder Verkauf aufrechterhalten können, drohen Thiel hohe Abschreibungen. Dies wäre ein neuer Rückschlag für Deltons Sanierungsbemühungen und – wie gemunkelt wird – auch für deren Verkaufspläne.

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