Inside: Thyssen-Krupp
Unter Zugzwang

Was wäre Thyssen-Krupp ohne seine Sparte Autozulieferung? Ein Konglomerat mit 7,6 Milliarden Euro Umsatz und etlichen Problemen weniger. Gut, der Konzern würde gut ein Fünftel seines Umsatzes verlieren. Aber die Auswirkungen auf das Ergebnis wären gering.

DÜSSELDORF. Nur 49 Millionen Euro steuerte Automotive zum jüngsten Rekordergebnis von 1,8 Milliarden Euro bei – den niedrigsten Beitrag unter allen sechs Konzernsparten.

Die heftige Kursreaktion vor einigen Tagen zeigt: Die Finanzmärkte würden einen Ausstieg aus dem schwierigen Geschäft mit Kurbelwellen, Nockenwellen, Stoßdämpfern, Lenkungen und Seitenteilen und damit eine klarere Fokussierung begrüßen. Der Mischkonzern Linde exerziert es gerade vor. Um fünf Prozent schoss der Aktienkurs von Thyssen-Krupp nach einem Zeitungsbericht in die Höhe, der die Trennung vom Autozuliefergeschäft avisierte. Das Dementi kam zwar prompt, aber vom Tisch ist das Thema damit nicht. Sogar der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats kann im Moment „nichts ausschließen“.

Seit einigen Jahren müht sich Thyssen-Krupp vergeblich, das Autozuliefergeschäft auf Vordermann zu bringen. Wichtigster Grund für das schlechte Abschneiden ist die Krise der Automobilhersteller General Motors, Ford und Chrysler. Thyssen-Krupp macht 80 Prozent seines Zuliefergeschäfts in den USA mit den „Big Three“. Weil die aber weiter Marktanteile verlieren, muss Thyssen-Krupp seine Kapazitäten anpassen.

Und das geht ins Geld: Nach 150 Millionen Euro vor drei Jahren hat die Restrukturierung des US-Geschäfts jetzt erneut 100 Millionen Euro gekostet. Manche Analysten befürchten, dass in den nächsten Jahren weitere Belastungen drohen, weil sich der Wettbewerb jetzt auch in Europa verschärft. Wie Automotive da die konzernintern geforderte Rendite auf das eingesetzte Kapital von 15 Prozent erreichen soll, bleibt schleierhaft. Zuletzt lag die Verzinsung bei mageren fünf Prozent. Thyssen-Krupp kann es sich aber nicht leisten, einen solchen Geringverdiener mit durchzuschleppen. Denn in vier seiner sechs Sparten operiert der Konzern in Märkten, die sich konsolidieren. Um aber überall ganz vorn mitzuspielen, fehlt schlicht das Geld.

Natürlich wäre der Ausstieg aus dem Autozuliefergeschäft eine Zäsur. Schließlich zählt die Sparte zu den Kernbereichen des Konzerns. Aber das Ziel, den Umsatz bis 2008 auf zehn Milliarden Euro zu steigern, hat der Vorstand bereits stillschweigend begraben.

Eine Entscheidung über Fusionen Kooperation oder gar einen Verkauf ist noch nicht gefallen. Das ist verständlich. Denn Automotive ist mit anderen Sparten eng verzahnt und deshalb nur unter Schwierigkeiten aus dem Konzernverbund heraus zu lösen. Außerdem wären die Automobilhersteller irritiert. Denn auch in Zukunft will Thyssen-Krupp Kunden wie VW ja weiter mit Stahlblechen beliefern.

Zumindest in den USA öffnet sich jetzt ein Fenster für den Ausstieg. Der Investor Wilbur Ross, der vor wenigen Jahren antizyklisch in die am Boden liegende US-Stahlindustrie investierte, sammelt jetzt notleidende Autozulieferer ein. Erste Kontakte nach Düsseldorf seien bereits geknüpft, heißt es in Finanzkreisen. Mehr Geld würde freilich ein Komplettverkauf der Sparte bringen. Analysten beziffern ihren Wert auf 1,8 Milliarden Euro.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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