Inside: TNT
TNT will Gunst der Stunde nutzen

Was hat Peter Bakker, den Chef des niederländischen Postkonzerns TNT, geritten? Galt TNT bislang als Übernahmekandidat für konkurrierende Paketdienste wie Fedex oder UPS, strebt er nun eine strategische Partnerschaft mit dem britischen Staatskonzern Royal Mail an. Bakker will sich sogar mit einem Drittel an der königlichen Post beteiligen. Wer den TNT-Chef kennt, der weiß, Bakker führt etwas im Schilde. Nur was?
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DÜSSELDORF. Eine Erklärung wäre, dass Bakker sich mit diesen Coups gegen feindliche Übernahmeversuche wehren will. Mögliche Käufer wie UPS und Fedex dürften kein Interesse am Briefgeschäft haben.

Der Deal stärkt auch TNT. Denn die Finanzkrise zeigt, Paket- und Expressdienste sind sehr konjunkturanfällig. Die zweite Gewinnwarnung in Folge scheint dies zu bestätigen. Das Briefgeschäft dagegen erweist sich als relativ stabil. Warum also nicht die Gelegenheit nutzen, sich durch die Beteiligung an einem Ex-Monopolisten sozusagen gleich den Briefmarkt eines ganzen Landes einverleiben. Immerhin gilt Großbritannien als einer der größten Postmärkte und die Liberalisierung der Briefmärkte in Europa kommt nur stockend voran. Das Geschäft ist außerdem äußerst profitabel. Selbst die etwas angestaubte Royal Mail schreibt schwarze Zahlen. Richtig gemanagt, also eine gute Gelegenheit für Bakker.

Die Gelegenheit scheint günstig. Denn die britische Regierung ist offenbar bereit, die hochdefizitäre Pensionskasse zu übernehmen und damit die Royal Mail zu entschulden. Auch an einer Übernahme der Postfilialen ist Bakker nicht interessiert. Post Office Ltd. soll als "öffentliche Versorgungseinrichtung" ebenfalls beim Staat bleiben. Damit wäre er die dicksten Kosten-Brocken los.

Bakker ist eigentlich nur am lukrativen Kerngeschäft mit Briefen interessiert. Das will er flott machen, was wohl auch Arbeitsplätze kosten dürfte. Die britischen Gewerkschaften sind schon in Unruhe versetzt. daraus könnte sich ein langer politischer Streit entwickeln. Ein Nachteil des Bakker-Projekts.

Da ist auch noch das Paket- und Expressgeschäft. Hier spielt TNT weltweit mit einer zweistelligen Rendite in der ersten Liga. Royal Mail könnte vom internationalen Netzwerk der Holländer profitieren und international expandieren. Die Briten sind bislang nur in Europa mit ihrer Tochter GLS vertreten, einem Standardpaketdienst für Geschäftskunden. GLS baut gerade das Expressgeschäft auf und hat eigene Flugzeuge bestellt.Dies kann sich GLSnun sparen. Das Expressgeschäft könnte TNT übernehmen. TNT wiederum baut gerade sein Straßennetzwerk mit Lkws aus.

Möglicherweise ist es also gar nicht das profitable Briefgeschäft, das Bakker lockt. In Deutschland will TNT sogar aus diesem Markt aussteigen. Denn hier zu Lande schreibt TNT Post rote Zahlen und kommt gegen den Platzhirschen Deutsche Post nicht an. Bakker nutzt daher wohl die Gelegenheit, selbst die Konsolidierung des Paket- und Expressmarktes in Europa zu gestalten.

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