Inside: Toshiba
Löblicher Schlussstrich

Toshiba macht das Beste aus seinem verlorenen DVD-Formatkrieg gegen Sonys Blu-ray-System: Es setzt voll und ganz auf die Weiterentwicklung von Speicherchips - und überspringt damit die wahrscheinlich letzte Phase des Zeitalters der Silberscheiben einfach.

TOKiO. Auf den ersten Blick schienen die beiden Ankündigungen nur wenig miteinander zu tun zu haben: Der japanische Elektrokonzern Toshiba zieht sich aus der Entwicklung des neuen Videostandards HD-DVD zurück und investiert dafür in Speicherchips. Es gibt jedoch eine einleuchtende Erklärung: Speicherchips – die sogenannten Flash-Memories – stecken in vielen Geräten wie USB-Sticks oder Karten für Digitalkameras. Die neue hochauflösende Videotechnik wird ohnehin nach einhelliger Meinung der Branche nur die Zeit überbrücken, bis das Laden von Filmen aus dem Internet schnell und gut genug für einen Massenmarkt ist. Der Kunde wird die Filme dann nur vorübergehend speichern und mitnehmen wollen – vermutlich auf Flash-Chips mit hoher Kapazität. Toshiba will somit die letzte Phase des Zeitalters der Silberscheiben einfach überspringen.

Und macht damit das Beste aus seinem verlorenen Formatkrieg mit dem konkurrierenden Blu-ray-System von Sony. Für Toshiba ist das eine ungewohnte Situation. Als in den Siebzigern der Streit um die Videobänder VHS und Betamax tobte, hatte sich Toshiba rechtzeitig auf die Seite des Siegers, des Elektrokonzerns Matsushita geschlagen, der das VHS-System vertrat. Auch das Format für die bislang gebräuchlichen normalen DVDs hatte Toshiba mitentwickelt, während Sony sich mit seiner Erfindung nicht durchsetzen konnte und hohe Investitionen abschreiben musste.

Jetzt setzt Toshiba den kompletten Aufwand für Entwicklung und Vermarktung von HD-DVD – Schätzungen zufolge 320 Mill. Euro – in den Sand. Hinzu kommt ein riesiger Imageschaden – nicht zuletzt bei den treuen Kunden, die einen einstmals 2 500 Euro teuren HD-Rekorder besitzen. Der japanische Elektromarktbetreiber Edion ermöglicht – mit hohem Aufwand – den Kunden wenigstens den kostenlosen Umtausch in ein Blu-ray-Gerät. Saturn in Deutschland bietet einen Umtausch für einen Aufpreis an. Dabei wollten sowohl Sony als auch Toshiba einen Streit auf dem Rücken der Verbraucher eigentlich vermeiden. 2005 erklärten Vertreter beide Seiten noch offiziell, an einem Strang ziehen zu wollen und einen technischen Kompromiss zwischen Blu-ray und HD-DVD zu entwickeln. Bei näherer Prüfung stellte sich das jedoch als nicht praktikabel heraus. Aufgrund früherer Auseinandersetzungen um Formate war sich Toshiba wohl auch seines Sieges zu sicher, zumal sich die Ausrüstung für HD-DVD wie für die Scheiben billiger herstellen lassen als für die komplexere Blu-ray-Konkurrenz.

Es war dann tatsächlich die Videospielkonsole Playstation 3, die trotzdem die Wende brachte. Für Playstation-Spiele ist einerseits die höhere Kapazität von Blu-ray unerlässlich. Andererseits konnte Sony über die Videokonsole zehn Millionen Blu-ray-Spieler in den Markt drücken – zehnmal mehr als Toshiba in der gleiche Zeit.

Dennoch ist es löblich für Toshiba, nun einen klaren Schlussstrich zu ziehen, statt – aus Stolz – den Streit auf Kosten der Kunden unnötig in die Länge zu ziehen.

mayer@handelsblatt.com

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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