Inside: Toyota
Die neue Nummer eins

Jetzt geht alles doch viel schneller als gedacht: Toyota wird wahrscheinlich schon im nächsten Jahr mehr Autos produzieren als General Motors (GM) und steigt damit zum größten Automobilhersteller der Welt auf. Dass die Japaner eines Tages auf den Spitzenplatz in der Branche vorrücken würden, hatte sich schon länger abgezeichnet.

DÜSSELDORF. Knapp 9,5 Millionen Autos werden die Toyota-Fabriken voraussichtlich im kommenden Jahr verlassen, während sich der Konkurrent aus den USA mit gut neun Millionen Fahrzeugen begnügen muss. Während GM vor allem auf dem heimischen US-Markt immer stärker ins Straucheln geriet, verfolgte Toyota seine weltweite Expansionsstrategie unbeirrt weiter. Rund um den Globus entstehen neue Werke, und im Unterschied zu den meisten Konkurrenten gehen den Toyota-Ingenieuren die Ideen für neue Modelle nicht aus. 2007 wird die Toyota-Produktion im Ausland erstmals größer sein als die in Japan.

Überraschend ist nur, dass Toyota den einstmals so übermächtigen Konkurrenten General Motors schon jetzt überholen wird. Das liegt zum großen Teil an der Schwäche der Amerikaner: Wegen der Absatzprobleme auf dem US-Markt musste GM massive Produktionskürzungen ankündigen. Die Werke sind schon lange nicht mehr ausgelastet, mancherorts liegen die Produktionsanlagen still.

Toyota hat noch einen weiteren Trumpf in der Hand: die schon länger anhaltende Schwäche des Yen. Der aus der Sicht der japanischen Exporteure extrem günstige Wechselkurs hat die Wettbewerbschancen von Toyota weltweit nachhaltig verbessert. Ob in Europa oder in den USA – die in Japan produzierten Autos sind vergleichsweise günstig zu haben. Da muss es Toyota nicht sonderlich stören, dass die Verkaufszahlen auf dem japanischen Heimatmarkt nicht mehr die Dynamik wie auf den ausländischen Märkten aufweisen. Auch die Toyota-Werke in Europa und Nordamerika profitieren vom schwachen Yen – etliche Zulieferteile für die so genannten Transplants werden weiter in Japan produziert.

Toyota besitzt eine Ausnahmestellung in der gesamten Automobilindustrie. Kein anderes Unternehmen hat so hohe Wachstumsraten und produziert gleichzeitig so kostengünstig. Die Finanzmärkte belohnen diesen Erfolg mit einer extrem hohen Börsenbewertung, Toyota hat aktuell eine Marktkapitalisierung von gut 170 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Daimler-Chrysler kommt noch nicht einmal auf 50 Milliarden Euro, General Motors erreicht soeben noch 15 Milliarden. Die Finanzmärkte billigen Toyota vor allem deshalb eine so hohe Prämie zu, weil es derzeit keine Anzeichen dafür gibt, dass die Japaner ihre derzeitige Wachstumsraten nicht halten können.

Doch gerade weil Toyota die Verkaufszahlen mit hohem Tempo nach oben geschraubt hat, gibt es nun ein Problem: Mit der Qualität geht es bergab. Die Japaner mussten auf einmal feststellen, dass sie nicht mehr genügend Fachkräfte haben, die die hohen Standards in der Produktion durchsetzen können. Eine außergewöhnlich hohe Zahl von Fahrzeugrückrufen rund um den Globus war die Folge.

Doch Toyota ist zuzutrauen, dass der Konzern auch dieses Problem schon recht bald in den Griff bekommen wird. Wahrscheinlich dürfte es reichen, das Tempo ein wenig zu drosseln , um verstärkt in die Qualifikation der eigenen Mitarbeiter investieren zu können.

Toyota wird also allenfalls eine kleine Atempause einlegen, um danach wieder das gewohnte Wachstumstempo anzuschlagen. Für die Konkurrenz wird es immer schwerer, diesem Autogiganten aus Japan zu folgen. Toyota ist die unbestrittene neue Nummer eins.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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