Inside: Tui
Frenzel oder Fredriksen

Am nächsten Dienstag wird Tui-Chef Michael Frenzel die Bilanz für 2007 präsentieren, die so gut ist, wie lange nicht. Touristik und Containerschifffahrt haben die Durstststrecke überwunden und bescheren dem Konzern die seit langem ersehnten Gewinne. Und doch hat Frenzel keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen.

Vor einigen Monaten noch mag ihn die lautstarke Rücktrittsforderung des Ein-Prozent-Aktionärs Guy Wyser-Pratte kalt gelassen haben. Doch nun muss er sich mit dem norwegischen Reeder John Fredriksen auseinander setzen. Der hält angeblich mehr als die bekannten fünf Prozent an der Tui. Und er liegt in der strategischen Ausrichtung auf totalem Konfrontationskurs mit Frenzel.

Die erste Niederlage hat der Konzernchef bereits kassiert. Sein Plan, den Mutterkonzern Tui mit der Tochter Hapag-Lloyd zu verschmelzen und in Hamburg anzusiedeln, wird am Montag in der Aufsichtsratssitzung aller Voraussicht nach in den Papierkorb wandern. Denn Fredriksen hat diesen Absichten klar widersprochen. Und das reicht für das Ende der Pläne. Denn ein alt erfahrener Taktiker wie der gelernte Banker Frenzel wird sich nicht im Aufsichtsrat mit einem Großaktionär anlegen, zumal er in diesem Punkt auch die Arbeitnehmerseite als Gegner weiß.

Doch Fredriksen scheint mehr zu wollen. Nicht Verschmelzung der ungleichen Schwestern Touristik und Schifffahrt ist sein erklärtes Ziel, sondern das Gegenteil – die Herauslösung von Hapag-Lloyd aus der Tui. Ganz gleich, ob die lauthalsen Forderungen von Fredriksen strategisches unternehmerisches Interesse bedeuten oder einfach nur Börsenfantasien im Interesse einer Kursentwicklung nach oben bedienen – sie widersprechen jedenfalls absolut den bisherigen Ideen Frenzels von der Konzernstruktur. Da spielt die Schifffahrt, gerade aus einer zyklischen Talsohle herausgekommen, eine entscheidende Rolle bei den Ergebnisbeiträgen.

Nachdem die Touristik bereits in die britische Tui Travel, einer Gemeinschaftsfirma mit First Choice Holidays übergegangen ist, sollte Hapag-Lloyd die ertragreichere Säule des Tui-Konzerns sein, die mit steigenden Gewinnen einer boomenden Handelsschifffahrt die Aktionäre beglückt.

Wer sich durchsetzt, Fredriksen oder Frenzel, ist offen. Denn der Tui-Chef hat eine Hausmacht: Rund 30 Prozent der Anteilseigner wollen am Tourismus verdienen, und da ist ihnen ein stabiles Unternehmen, das gutes Geld wo auch immer – auch in der Containerschifffahrt – verdient, lieber als der reine Reisekonzern mit all seinen Risiken aus Krisen und Katastrophen. Gegen diese Hausmacht wird sich Fredriksen trotz aller vollmundigen Behauptungen auch auf der Hauptversammlung schon zahlenmäßig schwer durchsetzen können. Frenzel hat zudem eine Chance: Gelingt es ihm, Hapag-Lloyd über eine Fusion zu wettbewerbsfähigerer Größe wachsen zu lassen, geht der Aktienkurs sicher hoch. Dann werden die Fredriksens unter den Anteilseignern Kasse machen und zufrieden weiterziehen.

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