Inside: Tui
Zukunftspläne vom Tisch

Als Tui-Vorstandschef Michael Frenzel im vorigen Jahr die Trennung von der Schifffahrtssparte einleitete, hatte er große Pläne für den Ausbau des touristischen Geschäfts. Doch nachdem der Verkauf der Container-Reederei Hapag-Lloyd endlich vollzogen war, ist in Hannover weder von Optionen noch von Visionen die Rede – im Gegenteil.

DÜSSELDORF. Bei jeder Gelegenheit gibt Frenzel die Parole aus, in der Rezession müsse man das Geld zusammenhalten.

Geplant war eigentlich der ganz große Wurf. Mit den Milliardenerlösen aus dem Verkauf der Schifffahrtssparte könnte, so die Idee, Europas größter Reisekonzern die an der Londoner Börse gehandelte, ihm zur Hälfte gehörende Reisetochter Tui Travel vollständig übernehmen und wieder in den Konzern in Hannover eingliedern. Doch das war schnell vom Tisch, als die globale Krise den Transporteur Hapag-Lloyd voll erwischte. Der Verkauf konnte nur noch mit erheblichen finanziellen Zugeständnissen realisiert werden.

Der wohl folgenreichste Kompromiss: Tui musste seine vorerst verbleibende Beteiligung an der Reederei von einem Drittel auf 43 Prozent aufstocken und ist damit neben den weiteren Beteiligungen, die im Hamburger Konsortium Albert Ballin vereint sind, der mit Abstand größte Anteilseigner von Hapag.

Nachdem die zum Teilverkauf mutierte Trennung von Tui und Hapag-Lloyd unter den veränderten Voraussetzungen vollzogen war, tauchte dann auf einmal eine eher abgespeckte Idee auf: Wenigstens das touristische Geschäft für Europa Mitte, im wesentlichen also die deutsche Touristik, könne man aus Tui Travel ausgliedern und in Hannover in den Konzern stellen.

Der Charme dieses Modells: Die AG, die im wesentlichen nur noch das lukrative, aber vergleichsweise kleine Hotelgeschäft direkt betreibt, hätte auf einen Schlag reichlich operative Aktivitäten hinzu bekommen – und so ihre in der Branche durchaus angezweifelte Existenzberechtigung manifestiert.

Doch auch diese Idee muss in der Schublade bleiben. Es gebe keine Entscheidungen, aber auch keinen Zeitdruck für den Ausbau des touristischen Geschäfts, wird offiziell abgewiegelt. Denn nun könnte es sein, dass Frenzel das zusammengehaltene Geld ganz anders ausgeben muss, als ursprünglich geplant: Schon kursieren an der Börse Vermutungen, dass Tui der gerade aus dem Konzern ausgegliederten Schifffahrtssparte noch weiter unter die Arme greifen muss. In der weltweiten Krise der Transport- und Logistik-Branche schreiben die Hamburger dreistellige Millionenverluste, und ein Ende der Krise scheint nicht in Sicht.

Wie dramatisch die Situation in der Reederei ist, macht eine Interview-Äußerung eines Hapag-Lloyd-Miteigentümers deutlich: Der Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne, der 15 Prozent der Reederei hält, empfahl bereits, um staatliche Finanzhilfe nachzusuchen. Kaum zu glauben, denn der Steuerzahler ist über eine Beteiligung von Hamburg ohnehin schon im Boot. krummheuer@handelsblatt.com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%