Inside: Vale
Wende beim Abendessen

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale trifft beim Übernahmekampf um den Schweizer Konkurrenten Xstrata auf starke Konkurrenz. Noch ist offen, wie das Milliardenpoker um die Nummer fünf der Branche ausgeht. Beobachter erwarten, dass auch Anglo American aus Südafrika und die russische Rusal ein Kaufangebot prüfen.

SÃO PAULO. Das Interesse an Xstrata ist leicht zu erklären: Der Konzern hat sich selbst zum Verkauf gestellt, und nun wartet die Braut darauf, dass die Freier um sie werben. Denn wem Xstrata das Jawort gibt, der ist automatisch die Nummer eins weltweit. Xstrata mit 27 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist der "Königsmacher" in der Branche, heißt es bei Merrill Lynch.

Immerhin, Vale macht Fortschritte bei den Bemühungen, die stattliche Mitgift für die Hochzeit zusammenzubekommen. Ein international besetztes, zwölf Banken umfassendes Konsortium unter Führung der britischen HSBC soll die Finanzierung des Kaufpreises von 40 bis 50 Milliarden Dollar garantiert haben. Schwerer tut sich Vale allerdings dabei, die brasilianische Regierung für den Deal zu begeistern. Doch ohne grünes Licht aus Brasilia sind dem Management die Hände gebunden. In dem Konzern, der 1997 privatisiert wurde, hat der Staat immer noch ein Vetorecht: Mit seiner goldenen Aktie kann er alle strategischen Entscheidungen blockieren.

Erst vor einem Jahr schluckten die Brasilianer für 17 Milliarden Dollar den kanadischen Nickelproduzenten Inco. Das war kein größeres Problem. Denn wegen des anhaltenden Booms bei Eisenerz, dessen weltgrößter Produzent Vale ist, erzielt der Konzern operative Gewinne (Ebitda) in zweistelliger Milliardenhöhe und kommt auf einen Börsenwert von 150 Milliarden Dollar.

Doch falls Vale für die Xstrata -Übernahme eine Kapitalerhöhung von bis zu 30 Milliarden Dollar vornähme, würde der staatliche Einfluss sinken. Nach einer Simulation der Citibank würde der Xstrata -Großaktionär Glencore künftig mit einem Anteil von acht Prozent der zweitwichtigste Vale-Aktionär.

Letztes Wochenende lud Vale-CEO Roger Agnelli den Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva in sein Privathaus in Rio de Janeiro zum Abendessen ein. Dabei wird der Gastgeber neben edlen Speisen auch wirtschaftspatriotische Argumente aufgetischt haben. Denn auch Lula dürfte Stolz empfinden, wenn das Schwellenland Brasilien Sitz des größten Rohstoffkonzerns der Welt würde.

Schützenhilfe bekommt Agnelli von Lázaro Brandão, der grauen Eminenz in Brasiliens Bankensektor und Aufsichtsratschef des Vale-Aktionärs Bradespar. Brandão, der bisher noch bei jeder wichtigen Entscheidung in den Schlüsselbranchen des Landes seine Hände im Spiel hatte, ermächtigte die Vale-Führung offiziell, die Übernahme von Xstrata zu prüfen.

Die öffentliche Stellungnahme des einflussreichen Vale-Aktionärs gilt als Aufforderung an die Regierung, den Kauf des Konkurrenten zu befürworten. Viel fehlt nun nicht mehr zu einem Vale-Angebot.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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