Inside: Vattenfall
Flagge zeigen

Während in Hamburg CDU und GAL die Einigung auf eine erste schwarz-grüne Landesregierung feiern, muss der Energiekonzern Vattenfall eine nüchterne Bilanz ziehen. Nicht nur, dass der Koalitionsvertrag ein dickes Fragezeichen hinter ein Prestigeprojekt des Unternehmens, das geplante Steinkohlekraftwerk in Hamburg- Moorburg, setzt. Nein, auch das Vorhaben des schwedischen Konzerns, die deutsche Tochter enger an die Leine zu nehmen, ist höchst umstritten. Denn Energie ist vor allem ein lokales Geschäft.

Zur Erinnerung: 2007 wechselte Konzernlenker Lars Göran Josefsson gleich zweimal den Chef der deutschen Tochter Vattenfall Europe aus. Im Sommer entsorgte er zunächst Klaus Rauscher, dessen selbstbewusstes Auftreten dem Schweden schon lange ein Dorn im Auge war. Im Dezember ersetzte er Rauscher-Nachfolger Hans Cramer-Jürgen mit dem Finnen Tuomo Hatakka, der zuvor das Geschäft in Polen verantwortet hatte.

Hinter den Personalien steckt strategisches Kalkül. Josefsson wollte die deutsche Tochter, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes stellt, enger an die Zentrale in Stockholm binden. Mit einem Finnen an der Spitze wollte er sich mehr Durchgriff auf die zuweilen allzu selbstständige Filiale verschaffen.

Den Namen Hatakka kannten damals nur Insider. Und selbst in Hamburg hat sich daran bis heute nichts geändert. Die Gespräche über Moorburg überließ der neue Chef nämlich weitgehend seinem Vorgänger Cramer, der eigentlich ins zweite Glied gerückt ist und im Sommer das Unternehmen endgültig verlassen wird. Ein entmachteter Manager als oberster Anwalt von Vattenfall-Interessen? Das konnte nicht gut gehen.

Der Fall Moorburg offenbart eine grundsätzliche Schwäche in Josefssons Strategie: den geringen Einfluss auf die deutsche Politik. Mit Rauscher hatte Vattenfall einen engagierten Lobbyisten. Jetzt, so klagen die Konkurrenten RWE, Eon und EnBW, ziehe sich Vattenfall aus der Debatte zunehmend zurück. Dabei müssen die Versorger Flagge zeigen - mit angesehenen Managern, die von der Gegenseite ernst genommen werden. In Anbetracht des scharfen Gegenwinds ist eine in der Politik bestens verdrahtete Führungsmannschaft nicht nur im Brancheninteresse, sondern auch aus egoistischen Motiven nötig.

Das müsste Josefsson, Chef eines Staatskonzern, eigentlich am besten wissen. Wichtige Rahmenbedingungen werden nicht nur auf europäischer, sondern auch auf nationaler Ebene gesetzt. Und das Geflecht wird immer komplexer. Zunehmend müssen sich die Versorger mit der Landes- und sogar der Kommunalpolitik auseinandersetzen. Auf dem Spiel stehen dabei konkrete und teure Investitionsprojekte wie Moorburg.

Josefsson hätte sich RWE als mahnendes Beispiel nehmen sollen. Der RWE-Aufsichtsrat ersetzte 2007 Harry Roels durch Jürgen Großmann, weil er mit der Lobbyarbeit des Niederländers unzufrieden war. Und weil er erkannt hatte, dass sich auf politischem Feld der Erfolg der Energiekonzerne entscheidet.

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