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Verbundnetz Gas: Kompliziertes Patt

Der Streit um den ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas (VNG) ist das Ergebnis fehlgeschlagener Industriepolitik. Als Eon 2003 die größte deutsche Gasgesellschaft Ruhrgas gegen den Willen des Bundeskartellamtes per Ministererlaubnis übernehmen durfte, sollte auch die VNG eine neue Zukunft erhalten. Der fusionierte Eon-Konzern musste sich von seinen Anteilen trennen, um einen unabhängigen Gashändler zu schaffen. Heute, fünf Jahre später, steht die VNG aber vor dem Chaos.

Ruhrgas bekam mit Eon einen klaren Eigentümer, ein komplexes Aktionärsgeflecht wurde bewusst zerschnitten. Die VNG dagegen bekam damals eine Eigentümerstruktur, die dem Unternehmen heute ernste Probleme bereitet. Der Regionalversorger EWE durfte Eons Anteile aufkaufen und sicherte sich 48 Prozent. Gleichzeitig erlangte EWE über einen Konsortialvertrag mit zwölf ostdeutschen Kommunen, die 26 Prozent halten, die Kontrolle. EWE musste gleichzeitig zusichern, die Eigenständigkeit der VNG zu gewährleisten und die Tochter strategisch voran zu bringen. Beteiligt blieben Wintershall mit 16 Prozent sowie Gazprom und Gaz de France mit jeweils gut fünf Prozent.

Jetzt ist das komplizierte Konstrukt zerbrochen. Das VNG-Management um Vorstandschef Klaus-Ewald Holst überwarf sich mit EWE-Chef Werner Brinker. Es wirft dem Großaktionär vor, die Zusagen aus der Ministererlaubnis nicht einzuhalten. Er hat dabei die Kommunen auf ihrer Seite, die jüngst den Konsortialvertrag kündigten. Das Ergebnis ist ein Patt, das sich nur schwer auflösen lässt.

Der Streit zwischen der EWE und den Kommunen ist inzwischen so heftig, dass eine Einigung kaum denkbar ist. Inzwischen wird er vor Gericht ausgetragen.

Dabei kann die EWE zwar hoffen, bald die Mehrheit zu erlangen. Das Unternehmen pocht auf Vorkaufsrechte und hat mit einem der Aktionäre, der Stadt Jena, einen Vertrag geschlossen. Auch Halle gilt als potenzieller Verkäufer. Eine knappe Mehrheit bringt aber wenig, weil sich die Kommunen im Gesellschaftervertrag Sonderrechte wie überproportionale Vertretung im Aufsichtsrat zusichern ließen.

Wintershall und Gazprom bieten sich den Städten zwar als neue Partner an. Die Hoffnung, dass EWE entnervt aufgibt, hat sich aber bislang nicht erfüllt. Seit über einem Jahr kämpft der Großaktionär darum, die Kontrolle wieder zu erlangen, und gibt sich weiter kämpferisch.

Die Situation ist so verfahren, dass schon über einen neuen Spieler spekuliert wird: Die Energie Baden-Württemberg (EnBW). Sie ist seit kurzem Minderheitsaktionär der EWE. Der Karlsruher Energieversorger EnBW könnte den VNG-Anteil über einen Tausch von Aktivitäten übernehmen und einen Neuanfang mit den Kommunen versuchen. Denn das Problem zwischen VNG und EWE ist vor allem ein persönliches zwischen Holst und Brinker. Und die VNG bekäme einen strategischen Partner – wie es die Ministererlaubnis vorsieht. Kompliziert bleibt es aber weiter.

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