Inside: Volkswagen
Der Hecht im Karpfenteich

Volkswagen hatte dort Erfolg, wo selbst die das Vorzeigeunternehmen BMW scheiterte: VW bietet unter einem Konzerndach die gesamte PKW-Palette an. Schlüssel zur Oberklasse war dabei Audi, die ihre ganz eigene Erfolgsgeschichte schrieben. Mit der Beteiligung von Porsche könnte die gesamte Konkurrenz nun endgültig ins Schwitzen geraten.

DÜSSELDORF. Der Daimler-Konzern hat sich eine richtig blutige Nase damit geholt, und auch BMW träumt schon lange nicht mehr davon, zum automobilen Komplettanbieter aufzusteigen. Nur ein Unternehmen steht zu diesem Prinzip und hat Nutzfahrzeuge, Massen-PKWs und edle Karossen in seinem Produkt-Portfolio: der Wolfsburger Volkswagen-Konzern.

Nach ihren fehlgeschlagenen Ausflügen zu Chrysler und Rover beschränken sich Daimler und BMW ausdrücklich auf ihr Premiumkonzept: Damit wird das große Geld verdient, dort sitzt die wirklich vermögende Kundschaft. Beide süddeutschen Hersteller haben das Massengeschäft definitiv abgeschrieben und überlassen dieses Feld den Konkurrenten.

Der VW-Konzern hält nach den gescheiterten Versuchen in Stuttgart und München an seinem Konzept fest: Masse und Premium gehören dort unter ein Konzerndach. Mit der Ingolstädter Tochter Audi hat der Konzern eine der wenigen automobilen Erfolgsgeschichten der vergangenen zwei Jahrzehnte zu bieten. Aus der wenig beachteten und für langweilig befundenen Marke („für Fahrer mit Hut“) ist ein anerkanntes Premiumprodukt geworden, das es ohne Probleme mit Mercedes und BMW aufnehmen kann. Audi wird bald mehr als eine Million Autos pro Jahr produzieren – und rückt damit auch bei den Stückzahlen an die beiden süddeutschen Konkurrenten heran.

Zur Freude der Konzernmutter in Wolfsburg, die die Überweisungen aus Ingolstadt gern für sich kassiert. Denn die Kernmarke VW verdient auch heute noch nicht allzu ordentlich, so dass den Verantwortlichen der Konzernverbund mit Audi gerade recht kommt.

Der Volkswagen-Konzern hat es als einziger Autohersteller in Deutschland geschafft, echte Synergien zwischen dem Massengeschäft von VW und der Premium-Produktion bei Audi zu schaffen. Beide Marken benutzen gleiche Bauteile, vor allem in der gemeinsamen Motorenentwicklung lässt sich eine ganze Menge Geld sparen. Natürlich gibt es auch Konflikte, doch die Zusammenarbeit zwischen VW und Audi ist in den vergangenen Jahrzehnten behutsam gewachsen. Das ist die eigentliche Leistung in Wolfsburg und Ingolstadt. Es gab nicht den Druck wie bei Daimler und BMW, nach den Käufen im Ausland innerhalb kurzer Zeit Synergien und Kostensenkungen auf Konzernebene zu erreichen.

Nach dem Einstieg von Porsche im VW-Konzern zeichnet sich ein neues Szenario gegenseitiger Hilfen ab: Insbesondere Porsche und Audi könnten in der Produktion von Premium- und Luxusautos zusammenarbeiten – und nach Synergien suchen, mit denen beide Marken die Konkurrenz aus Stuttgart und München unter Druck setzen.

Dass auch diese Kooperation funktionieren sollte, dafür spricht die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen VW und Audi. Die Verantwortlichen haben gelernt, wie die Kooperation zwischen Konzernmarken funktioniert. Zudem gibt es schon länger gute Kontakte zu Porsche, man kennt sich also. Damit besitzt der VW-Konzern beste Voraussetzungen, der Hecht im Karpfenteich der deutschen Autohersteller zu bleiben – das einzige Unternehmen, das eine komplette Modellpalette anbietet.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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