Inside: Volkswagen
Schmales Fundament

Die Geschäfte von Volkswagen laufen prächtig, aber über Wolfsburg herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Das Wachstum von heute ist der Lohn für die Anstrengungen von gestern. Der neue Konzernchef Martin Winterkorn weiß, dass sein Erfolg noch auf einem schmalen Fundament steht.

FRANKFURT. Flaute? Was für eine Flaute? Von der schleppenden deutschen Autokonjunktur ist bei Europas größtem Autokonzern nichts zu spüren. Volkswagen ist wieder im Vorwärtsgang unterwegs – und das deutlich schneller als viele Analysten sich hatten träumen lassen. Der weltweite Absatz des Konzerns soll dieses Jahr erstmals die Marke von sechs Millionen Fahrzeugen überschreiten, die Produktivität der Kernmarke VW um zehn Prozent zulegen und das Gewinnziel für 2008 bereits dieses Jahr erreicht werden. Keine Frage, ein Einstand nach Maß für den neuen VW-Chef Martin Winterkorn.

Da spielt es nur eine marginale Rolle, dass die Fortschritte von heute vor allem auf Kostensenkungen beruhen, die noch das alte Management um Ex-VW-Chef Bernd Pischetsrieder eingeleitet hatte. In Niedersachsen ist der Erfolg zurückgekehrt. Alles eitel Sonnenschein also in Wolfsburg?

Mitnichten. Denn auch der Konzernchef weiß, dass sein Erfolg bislang noch auf einem schmalen Fundament steht. So beschränkt sich der Aufschwung des VW-Konzerns weitgehend auf Westeuropa. Für den Rest der Welt sieht es dagegen eher trübe aus. Der neue Großaktionär Porsche macht deshalb Dampf.

Und dies zu Recht. Wer, wie VW selbst proklamiert, dem Branchenprimus Toyota ernsthaft das Wasser reichen zu wollen, muss seine Position weltweit behaupten und darf insbesondere nicht auf dem weltgrößten Automarkt USA ein Nischendasein fristen. Genau dies tut VW allerdings momentan zum wachsenden Unwillen Winterkorns, der nun den Manager Stefan Jacoby als Feuerwehrmann über den Atlantik schickt.

Denn Jahr für Jahr fährt die Marke VW dort dreistellige Millionenverluste ein. Lücken in der Modellpalette, Schwächen im Vertrieb, der flaue Dollarkurs und Rabattschlachten mit der Konkurrenz haben die Wolfsburger in den USA zurückgeworfen. Der Absatz ist seit 2001 um ein Drittel gesunken.

Schon der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard erkannte das Problem und entsandte ein Team so genannter Trendscouts in die USA, um ein besseres Gefühl für die Wünsche der dortigen Kundschaft zu entwickeln. Viel gebracht hat das nicht. Nun soll eine neue Produktstrategie mit spezifischen Modellen für die USA die Wende bringen. Laut wird auch über eine Fertigung des Konzerns in den Vereinigten Staaten nachgedacht. Doch das dauert. Erste Abhilfe könnte ein neuer Mini-Van schaffen, den VW in Kooperation mit Chrysler baut – das Modell kommt 2008 in den USA auf den Markt, wie auch der neue kleine Geländewagen Tiguan. Erst dann erwartet VW auch wieder ein Absatzplus in den USA.

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