Inside: Volvo LKW
Jäger oder Gejagter?

Viel Geld zu haben, schadet selten. Leif Johansson, Chef des schwedischen LKW-, Motoren- und Baufahrzeugherstellers Volvo, muss allerdings erkennen, dass eine prall gefüllte Kasse auch falsche Begehrlichkeiten wecken kann.

STOCKHOLM. Seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte, Finanzinvestoren bereiteten ein Übernahmeangebot an die Aktionäre des zweitgrößten Nutzfahrzeugherstellers der Welt vor. Wie üblich wird das zwar von keiner Seite bestätigt. Die Frage aber stellt sich, wohin Volvos Fahrt geht: Wird der Konzern von hungrigen Finanzinvestoren geschluckt? Übernehmen die Schweden selbst einen Konkurrenten? Wie verhält sich Renault, Volvos größter Einzelaktionär?

Tatsache ist, dass der Fahrzeugbauer fast 20 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro) in der Kasse hat. Seine Aktionäre mussten sich jedoch mit einer vergleichsweise knappen Dividende von 16,75 Kronen je Aktie zufrieden geben. Den mürrischen Anteilseignern beschied die Konzernleitung kurzerhand, dass die Konjunktur im nächsten Jahr abflauen werde und deshalb ein günstiger Zeitpunkt für Akquisitionen komme. Deswegen müsse man das Geld zusammenhalten.

Kritiker der Spar-Strategie stellen indessen das Risiko heraus, dass Volvo selbst zum attraktiven Kaufobjekt werden könnte. Neben der vollen Kriegskasse könnte auch die Aufspaltung des Konzerns Investmentgesellschaften locken. Volvo besteht aus den Sparten LKW, Baumaschinen, Flugzeugmotoren und Schiffsantriebe. Nach Experten-Rechnung summiert sich der Börsenwert der einzelnen Teile auf 184 Milliarden Kronen, 30 Milliarden mehr, als der Volvo-Konzern heute wert ist. Und es gibt keine zwingende Notwendigkeit oder industrielle Logik, die drei Bereiche unter einem Dach zu halten.

Volvo-Chef Johansson hält natürlich gar nichts von dieser Möglichkeit. Er will vielmehr die Position seiner LKW-Sparte 2007 weiter stärken. Noch liegt Volvo hinter Daimler Chrysler, hat sich aber mit dem Kauf eines 13-prozentigen Anteils an der japanischen Nissan Diesel bereits für das nächste Brummi-Rennen positioniert. Dass ein nächster Schritt bevor steht, ist völlig klar.

Denn die Schweden haben schon bei den chinesischen Behörden angefragt, ob sie Nissan Motors 40-Prozent-Anteil am chinesischen LKW-Hersteller Dongfeng übernehmen dürfen. In Göteborg rechnet man mit einer Antwort aus Peking in etwa zwei Jahren. Mit der Genehmigung würde Volvo Daimler-Chrysler überrunden und zur weltweiten Nummer Eins bei schweren LKW aufsteigen.

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