Inside: Xerox
Es fehlt die Wachstumsstory

Es gibt wohl kaum ein größeres Kompliment für ein technologisch bahnbrechendes Unternehmen, als wenn sein Name zu einem generischen Begriff oder ein Verb wird. Tesafilm ist dafür ein Beispiel oder „googeln“. Xerox ist ein anderes: Eine Fotokopie machen heißt im Amerikanischen „to xerox“.

PORTLAND. Der Status als Ikone des technischen Fortschritts und die Loyalität seiner Kunden, sagt Konzernchefin Anne Mulcahy heute, waren wesentliche Faktoren bei der Rettung des Unternehmens, das zu Beginn dieses Jahrzehnts vom Untergang bedroht war.

Mittlerweile steht Xerox finanziell wieder auf festem Boden, aber das Wachstum beflügelt keine Anlegerphantasien. Das 1906 in Rochester, New York, gegründete Unternehmen, das seinen Hauptsitz heute in Connecticut hat, war ein früher Technologiepionier mit einem eigenen Forschungspark im Silicon Valley. Nachdem sein Name in den 60er- und 70er-Jahren gleichbedeutend mit Innovation und finanziellem Erfolg war, verpassten schwache Nachfolger des legendären Gründersohns Joe Wilson ausgerechnet durch Fehleinschätzung des technischen Wandels den Anschluss und verplemperten das Kapitalpolster mit fehlgeleiteten Investitionen in alte Industrien.

In Xerox’ berühmtem Palo Alto Research Center (PARC) wurden unter anderem die grafische Benutzeroberfläche für Computer, die Maus, das Ethernet und der Laserdrucker erfunden. Apple Computer machte Benutzeroberfläche und Maus populär; Xerox verkannte die Bedeutung des Personalcomputers und verlor eine Patentklage gegen Apple, weil sie zu spät eingereicht wurde.

Nachdem das Unternehmen im Technologieboom der 90er-Jahre wieder Fuß fasste und der Aktienkurs neue Höhen erklomm, kam mit dem Platzen der Blase im Jahre 2000 der steile Abstieg. Als die Finanzaufsicht SEC Anfang 2002 das Xerox-Management beschuldigte, zwischen 1997 und 2000 die Ergebnisse manipuliert und Druck auf die Buchprüfer ausgeübt zu haben, schien der Konzern am Ende. Er musste seine Ergebnisse korrigieren und zehn Millionen Dollar Strafe zahlen, seine früheren Topmanager verglichen sich mit der Behörde und Anne Mulcahy, die im August 2001 auf den Posten des Chief Executive Officers rückte, begann ein radikales Sanierungsprogramm.

Mulcahy setzte dabei auf Kostensenkung durch Personalabbau, auf Verbesserung des Dienstleistungsangebotes von Xerox und auf die Erneuerung der Produktpalette durch Förderung von Innovation. Das ursprüngliche Geschäftsmodell, Firmen mit Kopiergeräten einschließlich ihrer Wartung gegen monatliche Gebühren zu versorgen, wurde abgelöst durch ein umfassendes Dokumenten-Management. Neben Druckern und Kopierern bietet Xerox heute die Software und die Speicherkapazitäten, um Millionen von Papierdokumenten in digitaler Form zu bearbeiten und zu archivieren.

Die Einnahmen aus dem Dokumentenmanagement erreichten in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 2,3 Milliarden Dollar. Farbkopierer bringen mittlerweile ein Drittel des Umsatzes. Außerdem stellt Xerox in diesem Jahr 15 neue Produkte vor. Die Palette reicht vom professionellen Flaggschiff iGen3, mit dem Xerox gegen den Offset-Druck antritt, bis zu neuen Farblaser-Druckern für 350 Dollar. Das Feld für private Desktop-Drucker hingegen besetzen Konkurrenten wie HP, Canon, Brother, Epson oder Lexmark und die Margen sind hauchdünn.

Der für 2007 vom Management prognostizierte Gewinn liegt am unteren Ende der Analysten-Schätzungen. Auch der Umsatz von zuletzt 15,7 Milliarden Dollar wächst weiter schwach. Erst wenn klar ist, dass Xerox wieder ein Hightech-Wert mit Wachstumsstory ist, dürfte sich der Kurs in Bewegung setzen.

eckhardt@handelsblatt.com

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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