Inside: Zapf Creation
Geschickter Einstieg

Es gehört schon viel Geschick dazu, mit einem Aktienanteil von nur 20 Prozent eine Firma zu kapern. Doch genau das ist dem Besitzer der amerikanischen Spielwarenfirma MGA Entertainment, Isaac Larian, aus Kalifornien beim Puppenproduzenten Zapf Creation gelungen.

MÜNCHEN. Larian stellt inzwischen zwei von fünf Aufsichtsräten von Zapf, hat seinen Deutschlandchef in den Vorstand geschickt, übernimmt den Einkauf und die technische Entwicklung für die Franken und hat eine Vertriebskooperation abgeschlossen. Da mag Zapf-Chef Georg Kellinghusen noch so sehr beteuern, er habe die Interessen aller Aktionäre im Blick: Ohne Larian geht beim größten europäischen Puppenhersteller nichts mehr.

Der gebürtige Iraner hat die Krise von Zapf in diesem Sommer kaltschnäuzig ausgenutzt. Rückblickend wird deutlich, wie clever der Produzent der frechen „Bratz“-Puppen vorgegangen ist. Erst hat er den japanischen Wettbewerber Bandai, der ebenfalls Zapf übernehmen wollte, im Regen stehen lassen. Dann drückte die weit reichende Vertriebskooperation und den gemeinsamen Einkauf mit MGA durch. Denn nur so kann Zapf schnell die Kosten senken und den Umsatz in die Höhe treiben.

Damit ist die Geschichte allerdings noch nicht zu Ende. Denn Zapf braucht dringend frisches Geld. Noch dieses Jahr will Vorstandschef Kellinghusen das Kapital erhöhen. Eigentlich wäre es nahe liegend, dass Larian als größter Aktionär mit zieht und seinen Einfluss ausbaut. Doch wieder spielt der Unternehmer seine Macht aus, baut Druck auf und lässt das Zapf-Management erst einmal zappeln, indem er jede Aussage zur Kapitalerhöhung vermeidet.

Was er letztlich mit seinem Aktienpaket vor hat, ist völlig offen. Womöglich ist es ihm sogar egal, wie hoch der Anteil ist, denn die wesentlichen strategischen Ziele hat Larian ohnehin erreicht. Einerseits hat er den Konkurrenten Bandai davon abgehalten, sein Geschäft in Europa auszubauen.

Andererseits hat er für sein eigenes Unternehmen über die Vertriebskooperation eine gute Basis in Europa geschaffen. Denn hier ist MGA vergleichsweise schwach. Mit Hilfe der Zapf-Vertriebsmannschaft soll sich das nun ändern. Durch den gemeinsamen Einkauf bekommt Larian mehr Volumen in der Beschaffung, was ihm wiederum bessere Konditionen bei den Zulieferern sichert. Warum also noch mehr Geld für weitere Zapf-Aktien ausgeben?

Einen Grund gibt es: Eine Kapitalerhöhung ließe sich wohl nur schwer platzieren, wenn der größte Aktionär sich nicht beteiligt. Ohne neue Mittel droht Zapf jedoch unweigerlich das Aus. Und daran kann MGA wiederum kein Interesse haben. Denn dann wären alle Kooperationen hinfällig und das Investment wäre futsch.

Derzeit steht nur eins fest: Zapf wird in den nächsten Wochen und Monaten weiter in den Schlagzeilen bleiben. Und Isaac Larian wird dabei eine wichtige, wahrscheinlich sogar die wichtigste Rolle spielen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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