Inside: Züblin
Ein Risiko mit Namen Lenz

Was plant Eberhard Lenz? Oder besser: Was richtet der Züblin-Minderheitsaktionär mit seiner Fehde gegen den Mehrheitsaktionär Strabag in den beiden Baukonzernen an? In der Branche löst der Mann nur Kopfschütteln aus. Der Sprecher der Familie Lenz, die rund 43 Prozent an der Stuttgarter Züblin hält, will „zum Wohl der Züblin“ die Neustrukturierung von Züblin und Strabag verhindern.

DÜSSELDORF. Die Strabag mit ihrem Vorstandschef Hans Peter Haselsteiner war durch die Insolvenz der Augsburger Walter Bau und Zukäufe in den Besitz von 57 Prozent der nicht börsennotierten Züblin-Gruppe gekommen. Nun will sie ihr deutsches Geschäft neu ordnen. Gleiche Geschäfte zusammen zu legen ist Kern der Deutschland-Strategie des Konzerns, der 2007 an die Börse möchte.

Doch jetzt drohen beide Unternehmen im Zwist der Gesellschafter unter die Räder zu kommen. Potentielle Auftraggeber dürften kurz über lang abwinken, die Konkurrenz sich ins Fäustchen lachen. Wer weiß, ob Züblin den Zweikampf schadlos übersteht? Und der Strabag-Konzern würde im Ernstfall mit in den Strudel geraten.

Über die Motive der Familie Lenz lässt sich nur rätseln. Denn ihr Widerstand gerät immer mehr zum Feldzug. Eine Prozesslawine droht. Haselsteiner hat den Züblin-Aufsichtsrat Lenz bereits vor die Tür gesetzt. Der führt die Fehde von außen weiter. Einen Verkauf seiner Anteile an Haselsteiner schließt er aus – sagt er. Aber meint er es auch?

Lenz befürchtet strategische und finanzielle Nachteile für Züblin. Während sich die Kölner Strabag auf den aussichtsreichen Straßenbau konzentriert, soll Züblin die Strabag-Hochbauaktivitäten übernehmen und sich nur noch um den Hoch- und Ingenieurbau kümmern. Das will Lenz verhindern. Doch: Soll alles bleiben, wie es ist?

Tatsächlich haben sich die mittelständisch strukturierten Stuttgarter mit Anstand durch die Baukrise geschlagen. Der Strabag-Hochbau dagegen gilt als weniger erfolgreich. Sein Übernahme-Preis erscheint Lenz zu hoch. Doch am Zusammenschluss führt angesichts des Konsolidierungsdrucks in der Baubranche kein Weg vorbei. Nur über das Wie lässt sich streiten.

Lenz wäre gut beraten, gemeinsam mit Haselsteiner nach einer Lösung zu suchen. Immerhin war die Familie war schon einmal zum Verkauf bereit. Damals hieß der Interessent Ignaz Walter. Die Banken legten sich quer, und Walter, der mit Züblin seine Walter Bau aufpeppen wollte, ging baden. Wirkt dieser Schock bei Familie Lenz noch nach?

Lenz erinnert jedenfalls gerne an die Verantwortung der Familie, die seit 80 Jahren Anteilseigner bei Züblin ist. Das Investment soll gesichert werden. Lenz aber ist auf dem besten Weg, selbst zum Risiko zu werden. Er muss aufpassen, dass er sich nicht verzockt und das Vermögen der Familie – eine gesunde Züblin – aufs Spiel setzt. Denn letztlich geht es bei dem Streit nur um den „richtigen“ Preis.

Anfang Juni noch hatte Haselsteiner der Familie angeboten, ihre Anteile zu kaufen. Die wies die Offerte brüsk zurück. Der Preis sei zu niedrig, die über Jahre gestreckte Zahlung passte nicht. Haselsteiner soll 64 Millionen Euro geboten haben. Lenz fordert dem Vernehmen nach einen dreistelligen Millionenbetrag. Nun herrscht Funkstille – bis es im Gebälk der Unternehmen zu knirschen beginnt. Doch dann ist es für eine Lösung zu spät.

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