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VW lässt neuen SUV in US-Werk bauen

Insiderinformation zufolge wird VW seinen neuen Geländewagen in den USA bauen lassen – die endgültige Entscheidung soll in zwei bis drei Wochen fallen. Die Vorlagen für einen Gremienentscheid würden bereits vorbereitet.
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Das VW-Werk im US-amerikanischen Chattanooga erhält offenbar den Zuschlag für den Bau eines neuen Großraum-SUV. Der Wolfsburger Autobauer hofft, damit auch das schlechte US-Geschäft anzukurbeln. Quelle: dpa

Das VW-Werk im US-amerikanischen Chattanooga erhält offenbar den Zuschlag für den Bau eines neuen Großraum-SUV. Der Wolfsburger Autobauer hofft, damit auch das schlechte US-Geschäft anzukurbeln.

(Foto: dpa)

HamburgVW wird den neuen Geländewagen für den amerikanischen Markt wohl in seinem Werk in den USA vom Band rollen lassen. „Das Pendel schlägt eher zugunsten von Chattanooga aus“, sagte eine Person mit Kenntnis der Beratungen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Das Management verhandele derzeit intensiv mit den Behörden des US-Bundesstaates Tennessee über Subventionen. Im Gespräch seien Steuernachlässe, Zuschüsse für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern, kostenlose Grundstücke und Verbesserungen der Infrastruktur im Gesamtvolumen von 300 Millionen Dollar.

Ein weiterer Unternehmensinsider sagte, die Vorlagen für die VW-Gremien würden derzeit vorbereitet. Mit einer Entscheidung werde binnen zwei bis drei Wochen gerechnet. „Das wird jetzt nicht mehr auf die lange Bank geschoben.“ VW wollte sich nicht dazu äußern.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete in ihrer Freitagausgabe ebenfalls, Chattanooga solle in Kürze den Zuschlag erhalten. Damit hätte sich die Fabrik in Tennessee gegen den VW-Standort in Mexiko durchgesetzt, der sich ebenfalls um die Produktion des siebensitzigen SUV beworben hatte. Reuters hatte bereits Anfang Juni berichtet, auch Behörden in Mexiko hätten ein Angebot unterbreitet, um sich die Produktion in ihrem Land zu sichern. Im mexikanischen Puebla produziert VW unter anderem den Jetta für den Export in die USA.

VW hat in den USA mit sinkenden Absätzen zu kämpfen, weil sich der eigens für den nordamerikanischen Markt entwickelte Mittelklassewagen Passat nicht mehr so gut verkauft. Für den Wagen hatte VW das Werk in Chattanooga errichtet. Der Konzern verbindet damit große Erwartungen, auf dem wichtigen US-Markt aus der Rolle eines Nischenanbieter herauszukommen. Die Mitarbeiter in der Fabrik hoffen schon länger darauf, dass der geplante Geländewagen „Cross-Blue“ dort als zweites Modell gebaut wird.

Big country, big cars
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Die meistverkauften Automodelle 2013 in Amerika waren große und schwere Pick-ups. Das ist auch ein Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs nach schweren Krisenjahren vor allem in der Autoindustrie. Aber die Modelle sind nicht mehr ganz so schwer und durstig, wie früher. Während der Hang zur Größe bei den Käufern erhalten blieb, musste die Autoindustrie Zugeständnisse in puncto Verbrauch und Abgase machen, als Voraussetzung für ihre Rettung.

Im Prinzip ist der US-Automarkt zwar gesättigt, das Durchschnittsalter angemeldeter Fahrzeuge liegt aber schon bei 12 Jahren. Es gibt also Erneuerungsbedarf. Unser Überblick zeigt die meist verkauften Modelle in Amerika in 2013.

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Platz 1: Ford F-150

Unter Berufung auf die Website motorintelligence.com nennt das Wall Street Journal Anfang Januar 2014 genau 763.402 verkaufte Ford Pick-up-Modelle aus der 150er-Serie in den USA. Das entspricht einem Zuwachs von 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im Dezember 2013 wurden 74.592 dieser Modelle verkauft, was einem Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.

Im Bild ist schon das 2014er Modell zu sehen, das Ford auf der NAIAS, der Automesse in Detroit, zeigt. Der F-150 gilt als Herz der F-Serie von Ford - der seit mehr als 60 Jahren erfolgreichen Pick-up-Baureihe. Dieser Inbegriff eines "Trucks", wie die Amerikaner das Segment nennen, ist seit 37 Jahren der meistverkaufte Pritschenwagen Nordamerikas, seit 32 Jahren dort sogar das meistverkaufte Auto.

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Platz 2: Chevrolet Silverado

480.414 verkaufte Silverado innerhalb eines Jahres sind nominell immer noch viel, aber Chevrolet muss zusehen, wie das Wachstumstempo beim Wettbewerb anzieht. Einen Zuwachs von 14,8 Prozent meldet die GM-Tochter für diese Modellreihe auf Jahressicht.

Allein im Dezember 2013 wurden 42.593 dieser Modelle verkauft, was aber einem Minus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat entspricht.

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Platz 3: Toyota Camry

Verkaufte Modelle im Dezember 2013: 29.964; Zuwachs: minus 4,6%.

Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 408.484; Zuwachs zum Vorjahr: 0,9%.

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Platz 4: Honda Accord

Verkaufte Modelle im Dezember 2013: 31.895; Zuwachs: 8,4%.

Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 365,699; Zuwachs zum Vorjahr: 10,2%.

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Platz 5: Dodge RAM

Der 2013er Dodge RAM 1500 5.7 L V8 HEMI (395 PS / 508 Nm mit 8-Stufen Automatik) war dank 8-Stufen Automatik um 20% weniger durstig als sein Vorgänger. Eine weitere Erneuerung war die Start-Stopp-Automatik, was ebenfalls dem Verbrauch zugute kam. Der altbekannte V8 leistet (als HEMI) 395 PS bei 5.600 Umdrehungen bzw. 508 Nm bei 3.950 U/min. Das Modell hat außerdem den besten Widerstandsbeiwert seiner Klasse (cw=0,363).

33.405 Stück verkauften sich allein im Dezember 2013, ein Plus von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. 355.673 waren es im Gesamtjahr 2013, das entspricht einem Zuwachs von 21,2 Prozent gegenüber 2012, und ist die zweitbeste Zuwachsrate bei einer US-Modellreihe.

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Platz 6: Honda Civic

Verkaufte Modelle im Dezember 2013: 29.000; Zuwachs: minus 12,4%.

Verkäufe im Gesamtjahr 2013 in den USA: 336.180; Zuwachs zum Vorjahr: 5,7%.

Europas größter Autobauer hatte im Januar auf der Automesse in Detroit angekündigt, den Großraum-SUV 2016 auf den Markt zu bringen. Unmittelbar danach bot der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, den Wolfsburgern finanzielle Anreize im Umfang von 300 Millionen Dollar an, wenn das Modell dort gefertigt werde. Im Streit um die Einführung eines Betriebsrats in dem einzigen US-Werk von Volkswagen zog er das Angebot später wieder zurück.

Örtliche Republikaner und konservative Gruppen machten massiv Stimmung gegen das Vorhaben der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW, in Chattanooga eine Arbeitnehmervertretung einzurichten. Dabei wurde auch gedroht, VW im Falle eines Votums der Belegschaft für die UAW keine Finanzhilfen mehr zu gewähren. Die Abstimmung der Mitarbeiter fiel am Ende gegen die Gründung eines Betriebsrats aus. Seither sucht die IG Metall nach Wegen, doch noch eine Arbeitnehmervertretung in Chattanooga einzusetzen.

Einer der Unternehmensinsider bekräftigte, der Streit über die Arbeitnehmervertretung spiele bei der Entscheidung zum Bau des Cross-Blue in Chattanooga keine Rolle. „Früher oder später wird es einen Betriebsrat in Chattanooga geben“, sagte die Person. Es gebe Überlegungen, diesen auch ohne die UAW einzurichten.

  • rtr
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1 Kommentare zu "Insider: VW lässt neuen SUV in US-Werk bauen"

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  • Guten Morgen, liebe Wolfburger ... das hat Mercedes schon vor 15 Jahren erkannt.

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