Insiderverfahren eingestellt
Staatsanwaltschaft lässt von Kopper ab

Die Staatsantwaltschaft Stuttgart hegt offenbar nicht mehr den Verdacht, Daimler-Aufsichtsratschef Hilmar Kopper habe Insidergeschäfte im Zusammenhang mit dem Rücktritt von Vorstandschef Jürgen Schrempps getätigt.

cn/hz/mwb BERLIN. „Die Ermittlungen sind eingestellt“, sagte Kopper auf der Hauptversammlung von Daimler-Chrysler in Berlin. Der ermittelnde Staatsanwalt habe ihm dies mitgeteilt. Es fehle nur noch die formale Unterschrift des Generalstaatsanwalts, sagte ein Sprecher Koppers. Aber das sei nur eine Formsache. Das ist wohl auch der Grund, weshalb eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft noch nicht offiziell die Einstellung des Verfahrens bestätigen konnte.

Bei den Ermittlungen ging es um die Vorgänge rund um die Rücktrittsankündigung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp im vergangenen Jahr. Kopper stand im Verdacht, führende Manager der Deutschen Bank bereits vor der offiziellen Bekanntgabe über den Führungswechsel beim Stuttgarter Konzern informiert zu haben. Nach dem Wertpapierhandelsgesetz ist nicht nur der Handel auf Basis so genannter Insiderinformationen strafbar, sondern auch die Weitergabe dieses Wissens.

Kopper war früher Vorstandschef der Deutschen Bank und führte lange Jahre den Aufsichtsrat des Frankfurter Instituts. Der Manager legte jedoch in der Vergangenheit stets Wert darauf, dass der Aufsichtsratsvorsitz bei Daimler-Chrysler ein persönliches Mandat sei.

Nach der Bekanntgabe von Schrempps Rücktritt am 28. Juli des vergangenen Jahres war der Kurs der Daimler-Chrysler-Aktie sehr schnell um gut 10 Prozent auf über 40 Euro gestiegen. Die Deutsche Bank hatte als Großaktionär den rasanten Kursanstieg genutzt und unmittelbar nach der offiziellen Bekanntgabe der Personalie Aktien im Wert von 1,4 Mrd. Euro verkauft. Sie reduzierte damit ihren Anteil am Stuttgarter Autobauer von 10,4 auf 6,9 Prozent und strich durch den Verkauf einen Buchgewinn von etwa 300 Mill. Euro ein. Der Deal wurde über die Deutsche-Bank-Tochter DB Value abgewickelt, bei der das Geldhaus seine Beteiligungen aufgehängt hat. Ende November 2005 nutzte die Bank den weiteren Kursanstieg der Daimler-Aktie und trennte sich noch einmal von 2,5 Prozent ihrer Beteiligung.

Mit der Einstellung des Verfahrens gegen Kopper sind damit alle staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Insidervergehen beim Abgang Schrempps ergebnislos geblieben. Neben Kopper waren auch der Buchautor und Daimler-Kritiker Jürgen Grässlin sowie laut Kreisen der Spediteur Gerhard Schweinle ins Visier der Justiz geraten.

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