Insolvente DLW
Niederländer kaufen einzigen deutschen Linoleumhersteller

Nach Jahren des Dauerverlusts hat Deutschlands einziger Linoleumhersteller DLW einen Käufer gefunden. Das insolvente Unternehmen geht an den niederländischen Investor Fields. Dies sei eine „zukunftsweisende“ Lösung.
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Bietigheim-Bissingen/DelmenhorstDer einzige deutsche Linoleumhersteller DLW hat einen Käufer gefunden. Die insolvente Firma wird von dem niederländischen Investor Fields übernommen, wie Insolvenzverwalter Martin Mucha am Freitag sagte.

Das Unternehmen aus dem baden-württembergischen Bietigheim-Bissingen hatte Ende 2014 Insolvenz angemeldet. Bei einem Umsatz von etwa 155 Millionen Euro hatte es einen Verlust von rund 20 Millionen Euro hinnehmen müssen. „Das Unternehmen hat jahrelang hohe Verluste gemacht und das einfach nicht in den Griff bekommen“, sagte Mucha. Die Übernahme durch Fields sei eine „zukunftsweisende“ Lösung.

Von 100 Mitarbeitern habe man sich trennen müssen, damit habe die Firma noch 760 Beschäftigte. Noch Ende der 1990er Jahre hatte DLW 4500 Mitarbeiter, danach setzte der Niedergang ein. Vor allem hohe Pensionsverpflichtungen von 11 Millionen Euro jährlich schlugen sich negativ in der Bilanz nieder, so Mucha. Die Verbindlichkeiten beim Mutterkonzern Armstrong beliefen sich seinen Angaben zufolge auf 125 Millionen Euro. Die Insolvenz kommt nun einem Schuldenschnitt gleich.

Mit dem Verkauf ändert die Firma ihren Namen von Armstrong DLW zu DLW Flooring. Das Kürzel DLW geht auf „Deutsche Linoleum-Werke“ zurück, wie die Firma bis in die 1950er Jahre hieß. Der Investor Fields ist dafür bekannt, kriselnde Firmen flottzumachen und weiterzuverkaufen, im Falle von DLW soll dies in fünf bis sieben Jahren geschehen. DLW hat zwei Bodenbelag-Fabriken: In Bietigheim-Bissingen wird Vinyl und PVC hergestellt, in Delmenhorst (Niedersachsen) Linoleum.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Wir Delmenhorster haben die DLW auch gerne mit "Delmenhorster Linoleumwerke" übersetzt. Da das Werk am Westrand der Stadt Delmenhorst gelegen ist, konnte man am Linoleumgeruch immer das Wetter abschätzen: Roch es in der Stadt nach Linoleum zog von Westen Regen herauf.
    Von den Reiftürmen, in denen das frisch auf die Jute gepresste Linoleum bei ca. 80°C zum Reifen aufgehängt wurde (eine Kammer ist auf dem Foto in diesem Artikel zu sehen), hatte man einen grandiosen Blick über die ganze Stadt und bei gutem Wetter bis hin nach Bremen.
    Schade, dass diese Industrie kaum noch eine Zukunft hat. Meine Wohnung war immer mit Linoleum ausgelegt.

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