Industrie
Insolventer Autozulieferer Delphi fordert drastische Lohnkürzungen

Der insolvente Autozulieferer Delphi Corporation hat der Gewerkschaft United Autoworkers (UAW)in der Nacht zum Mittwoch seine Sparvorschläge unterbreitet. Demnach sollen die Löhne der 34 000 gewerkschaftlich organisierten US-Arbeiter um mehr als 60 Prozent sinken.

dpa-afx/apa NEW YORK. Der insolvente Autozulieferer Delphi Corporation hat der Gewerkschaft United Autoworkers (UAW)in der Nacht zum Mittwoch seine Sparvorschläge unterbreitet. Demnach sollen die Löhne der 34 000 gewerkschaftlich organisierten US-Arbeiter um mehr als 60 Prozent sinken.

Der Stundenlohn für Fließbandarbeiter würde auf 9,50 bis 10,50 Dollar (7,88 bis 8,71 Euro) fallen und auf 19 Dollar für Facharbeiter. Neu eingestellte Arbeiter müssten sich mit 9 Dollar Stundenlohn begnügen. Aktuell liegt der Stundenlohn bei mindestens 27 Dollar. Die so genannte "Bank für Arbeitsplätze" (jobs bank), die 4 000 vorübergehend gekündigten Arbeitern den vollen Stundenlohn und Nebenleistungen in den Werken in Troy (Michigan) garantiert, würde den Plänen zufolge abgeschafft. Diese Regelung koste das Unternehmen 400 Millionen. Dollar im Jahr, hieß es bei Delphi.

Die Altersvorsorge für aktuelle Arbeiter würde eingefroren und ab 1. Januar für Neueinstellungen abgeschafft. Delphi könnte im Rahmen des Plans auch die Nebenleistungen für Pensionisten kürzen oder ihre Altersversorgung ganz einstellen.

Verhandlungen MIT GM

Unterdessen gehen Verhandlungen mit der General Motors Co. (GM) weiter. Delphi war 1999 aus dem GM-Konzern ausgegliedert worden. Bei der Ausgliederung hatte sich der Autobauer verpflichtet, Delphis Pensionskosten zu übernehmen, wenn der Autozulieferer vor dem Auslaufen des Tarifvertrags im Jahr 2006 in den Konkurs geht. Über die Höhe dieser Verpflichtungen wird derzeit verhandelt.

Wenn die Gewerkschaft den Plan akzeptiert, müssten Delphis Arbeiter erstmals ihre Altersversorgung mitfinanzieren. Die Selbstbeteiligung würde 900 Dollar für alleinstehende Arbeiter und 1 800 Dollar für Familien im Jahr betragen. Die Kosten für Zahn- und Augenärzte müssten die Arbeiter selber tragen. Die Zahl bezahlter Feiertage würde von 16 auf zehn im Jahr fallen, einschließlich einer Woche Urlaub zwischen Weihnachten und Neujahr.

UAW-Präsident Ron Gettelfinger und Vizepräsident Richard Shoemaker sagten in einer gemeinsamen Erklärung, Delphis Vorschläge liefen darauf hinaus, Amerikas Mittelschicht durch die Einführung von Dritte-Welt-Löhnen zu dezimieren. Delphis Konzernchef Robert Miller sagte, er verstehe den Zorn der Arbeiter. Er wies aber darauf hin, dass Delphis Lohn- und Nebenkosten auf insgesamt 65 Dollar die Stunde kämen. Dies sei mehr als das Dreifache der Arbeitskosten bei der Konkurrenz.

Miller sagte, er gehe davon aus, dass eine Einigung bis Mitte Dezember zustande kommt. Sollten die Verhandlungen fehlschlagen, könnte Delphi den Tarifvertrag vom Konkursgericht außer Kraft setzen lassen. Das Gericht könnte dann der Gewerkschaft im Laufe des kommenden Jahres einen neuen Vertrag aufzwingen. Die erste Anhörung vor dem Gericht ist für Donnerstag geplant. /pf/APA/tav

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