Insolventer Handyhersteller
Mitarbeiter von BenQ Mobile trifft es hart

Dass von den 3 000 Mitarbeitern von BenQ Mobile etliche gehen müssen, war vielen der Branchenkenner und wohl auch der Betroffenen schon bei der Einleitung der Insolvenz klar. Nun kursiert eine erste Zahl, wie viele Arbeitsplätze wegfallen. Die Höhe wird die Belegschaft des Handyherstellers schocken.

HB MÜNCHEN. Eine Größenordnung von 1 000 bedrohten Arbeitsplätzen sei „nicht ganz unrealistisch“, sagte eine Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager am Mittwoch in München. Damit wurde ein Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochausgabe) grundsätzlich bestätigt. Die Stellen werden voraussichtlich noch in diesem Monat gestrichen. Besonders gefährdet sind die Arbeitsplätze in der Verwaltung in München; glimpflicher davonkommen dürften die Mitarbeiter in den Werken Kamp-Lintfort und Bocholt.

In dem Zeitungsbericht heißt es, bei den Freistellungen handle es sich noch nicht um Kündigungen. Diese könnten erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden. Die Betroffenen würden wie die Weiterbeschäftigten bis Jahresende Insolvenzausfallgeld erhalten, schreibt das Blatt.

Insolvenzverwalter Prager will sich am Donnerstag mit Vertretern der Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern, der Siemens AG, der Bundesagentur für Arbeit und der IG Metall treffen. Dabei soll es auch um die Einrichtung einer Auffanggesellschaft für Beschäftigte gehen, die bei der anstehenden Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz verlieren. „Im Rahmen der angestrebten Auffanglösung soll den von der Insolvenz und der notwendigen Restrukturierung des Unternehmens betroffenen Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive geboten werden“, hatte Prager erklärt. Er folge damit einer Anregung der Siemens AG. Der ehemalige Mutterkonzern hatte vergangenen Woche die Gründung einer Beschäftigungs- und Auffanggesellschaft angeregt und damit Verantwortung für seine Ex-Mitarbeiter übernommen.

Siemens schafft Kontaktbörse

Siemens teilte mit, in Deutschland gebe es im Konzern derzeit 2 000 offene Stellen. Bewerber- und Anforderungsprofile würden in einer Koordinationsstelle zusammengeführt, um sehr schnell zu entscheiden, wer für welche Stelle qualifiziert sei. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld sagte, es seien alle Voraussetzungen geschaffen, „um diesen Mitarbeitern möglichst unbürokratisch und schnell zu helfen“.

Laut Siemens müssen nach Maßgabe von Insolvenzverwalter Prager jobsuchende BenQ-Mitarbeiter ihr Interesse an einem Wechsel zu Siemens erst bei ihrer eigenen Personalabteilung bekunden. BenQ Mobile leite die Anfragen dann an Siemens weiter. Auf diesem Weg werde das vereinbarte Abwerbeverbot nicht verletzt, hieß es. Siemens hatte beim Verkauf seiner Handy-Sparte im Juni 2005 an den taiwanesischen Elektronikkonzern BenQ ein Abwerbeverbot vertraglich festgelegt.

BenQ hatte die Zahlungen an seine deutsche Handy-Tochter BenQ Mobile Ende September eingestellt, woraufhin das Unternehmen Insolvenz anmelden musste. Das Insolvenzgeld läuft zum Jahresende aus. Um Investoren zur Rettung des Unternehmens zu finden, muss Prager die Struktur verschlanken. Siemens hat 35 Mill. Euro als Hilfsfonds für die betroffenen Mitarbeiter seiner ehemaligen Handysparte zugesagt. Gewerkschafter hoffen auf gut 200 Mill. Euro für die Auffanggesellschaft.

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