Insolvenz
Banken schieben Märklin aufs Abstellgleis

Das Unheil hatte sich schon angedeutet, nun ist es amtlich: Der Modelleisenbahnbauer Märklin hat heute Insolvenz angemeldet. Die Verhandlungen mit den Banken verliefen im Sande. Für die Mitarbeiter beginnt nun die Zeit des Zitterns.

HB FRANKFURT. Einen Tag vor Beginn der Nürnberger Spielwarenmesse ist der Modelleisenbahn-Hersteller Märklin pleite. Die Banken hätten ausgelaufene Kreditlinien für das 150 Jahre alte, in der Sanierung steckende Unternehmen nicht verlängert, teilte Märklin am Mittwoch im schwäbischen Göppingen mit. Deshalb sei beim Amtsgericht Göppingen Insolvenz angemeldet worden. Zwei mit der Lage vertraute Personen sagten, in den am Dienstagabend gescheiterten Verhandlungen mit der Kreissparkasse Göppingen und der Landesbank Baden-Württemberg sei es um 50 Mio. Euro Kredite für das laufende Geschäft gegangen.

Der scheidende Geschäftsführer Dietmar Mundil hofft auf eine Sanierung des defizitären Traditionsunternehmens durch den zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellten Anwalt Michael Pluta aus Ulm. Märklin sei zukunftsfähig. In Nürnberg will Märklin wie geplant seine Neuheiten präsentieren.

Märklin gehört seit 2006 den Finanzinvestoren Kingsbridge und Goldman Sachs. Das von einem Familienstreit gelähmte Unternehmen hatte schon zuvor kurz vor dem Aus gestanden. Die Geschäftsführung räumte ein, dass die Sanierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre nicht schnell genug gegriffen hätten. Märklin produziert als einer von wenigen Spielwarenherstellern noch in Deutschland. Märklin-Eisenbahnen gehören zu den teuersten auf dem Markt.

2008 stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben nur leicht auf 128 (2007: 126) Mio. Euro, weil das Weihnachtsgeschäft die Hoffnungen nicht erfüllt hatte. Operativ schrieb Märklin Unternehmenskreisen zufolge noch einen niedrigen zweistelligen Millionenverlust, obwohl 2008 erstmals Gewinne bringen sollte.

Mit einer neuen Führung wollten die Eigentümer den Sparkurs für die rund 650 Mitarbeiter noch verschärfen. Bis Mitte Februar sollte ein Sanierungsgutachten der KPMG vorliegen. Erwogen wurde eine Abkehr von der Hochpreisstrategie. Doch so lang wollten die Banken nicht warten. Kreisen zufolge sperrten sie Märklin sogar die Konten, so dass die Januarlöhne nicht gezahlt werden konnten. Kurzfristig hätte Märklin gut fünf Mio. Euro frische Mittel gebraucht. Die Eigentümer hatten im vergangenen Jahr schon Geld nachgeschossen.

Die LBBW wollte zu ihrer Kreditbeziehung nicht Stellung nehmen. Die Sparkasse Göppingen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Viele, oft hoch verschuldete Unternehmen im Besitz von Finanzinvestoren sind in der Wirtschaftskrise unter Druck geraten. Banken versuchen zugleich, ihre Risiken zu reduzieren. Der Autozulieferer Edscha, der Carlyle gehört, musste erst am Montag Insolvenz anmelden.

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