Insolvenz
Chrysler schlingert in Führungskrise

Nach der Insolvenz des traditionsreichen amerikanischen Automobilkonzerns Chrysler laufen die ersten Sanierungsmaßnahmen beim angeschlagenen US-Autobauer an. Gleichzeitig hat die Suche nach einer neuen Führungsspitze begonnen. Wer künftig das Steuer übernehmen soll, ist derzeit noch völlig offen.

NEW YORK. Nach monatelangem Überlebenskampf und milliardenschweren Staatshilfen hat mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der nächste Sanierungsversuch des US-Autokonzerns Chrysler begonnen. Das Topmanagement mit Robert Nardelli und Vizechef Tom LaSorda erklärte am Wochenende bereits seinen Rücktritt. Erste juristische Schritte für einen Verkauf von Unternehmensteilen an den italienischen Fiat-Konzern wurden eingeleitet.

Durch den Zusammenschluss soll der weltweit sechstgrößte Autobauer mit einem Jahresabsatz von über vier Millionen Fahrzeugen entstehen. Vorläufig wird ein Großteil der Chrysler-Produktion in den USA jedoch stillgelegt. Werke in Kanada mussten bereits schließen, da wichtige Teile aus den USA nicht mehr geliefert werden. Regierungsvertreter schüren zwar die Hoffnung, dass der Autobauer in weniger als zwei Monaten als verschlanktes Unternehmen wieder an den Start gehen könnte. Branchenexperten geben sich mit Blick auf eine "Blitz-Insolvenz" jedoch skeptisch. Auf die Frage, ob er schon einmal ein derart schnelles Konkursverfahren in den USA erlebt habe, musste Chrysler-Chef Nardelli einräumen: "Nein."

Der hoch verschuldete Konzern hat mit dem Großteil seiner Gläubiger zwar bereits Übereinkunft erzielt. Einige Kreditgeber drohen aber, den staatlich gestützten Neubeginn sowie das geplante Bündnis mit Fiat vor dem Konkursgericht anzufechten. Aus ihrer Sicht sind die Bedingungen sehr einseitig zugunsten der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) verteilt. Sie nämlich soll als Gegenleistung für den Verzicht auf Ansprüche 55 Prozent der Anteile an Chrysler erhalten. Andere Gläubiger sollen indes nur eine Mini-Beteiligung am neuen Unternehmen bekommen. Kreditgeber wie Oppenheimer Funds oder die Investmentbank Perella Weinberg Partners hoffen darauf, dass der Konkursrichter den Beschwerden stattgibt und andere Optionen zur Rückzahlung der Schulden prüft.

Über der Insolvenz schweben weitere Fragezeichen: So ist Chrysler in einem Netz von Zulieferern und Händlern verstrickt, das der neue Partner Fiat im Zuge des Konkursverfahrens gerne entspinnen würde. Dabei sind zahlreiche dieser Firmen finanziell noch stärker unter Druck geraten, und schon der Zusammenbruch eines wichtigen Zulieferers könnte ausreichen, um viele Bänder quer durch die US-Autoindustrie stillzulegen. "Wenn bei Chrysler nichts läuft, läuft bei uns auch nichts", heißt es etwa beim Chassis-Bauer Ohio Module. Dabei reichen die Sorgen über die US-Hersteller weit hinaus: "Wir sind alle miteinander verzahnt", sagt ein Sprecher des Amerikageschäfts von Honda. Der japanische Autohersteller kauft seine Fahrzeugteile bei mehr als 500 US-Zulieferern ein.

Eine weitere zentrale Frage, um die sich Chrysler sorgen muss: Wer kauft noch Autos während der Insolvenz des Unternehmens?

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