Insolvenz der Schieder-Gruppe
Lücke bei preiswerten Möbeln droht

Die Insolvenz der ostwestfälischen Schieder-Gruppe könnte nach Ansicht des Hauptgesellschafters der Roller-Markt-Kette, Hans-Joachim Tessner, dramatische Auswirkungen auf die ganze Branche haben. Auch die Verbraucher blieben dabei nicht verschont. Obendrein wurden bei Schieder in den vergangenen Wochen massive Bilanzfälschungen entdeckt.

DÜSSELDORF. „Jetzt gilt es, vor allem die Lieferfähigkeit des Möbelherstellers zu erhalten“, sagte Tessner dem Handelsblatt. Denn trotz drohender Insolvenz ging die Produktion in den vergangenen Wochen unvermindert weiter. Dies hatte - zumindest kurzfristig - die Nerven vieler Möbelhändler beruhigt, die derzeit schon ihre Angebote für den Herbst vorbereiteten.

Doch sollte der Insolvenzverwalter jetzt Unternehmensteile schließen, drohten Engpässe mit der Versorgung von preiswerten Möbeln, ist der Chef der Nummer eins unter den deutschen Möbeldiscountern sicher. Tessner schätzt den Schieder-Anteil am Sortiment großer Discounthäuser auf fünf bis sieben Prozent.

Die Lücke, die durch einen Ausfall der Produktion bei Schieder entstehen würde, könnte nicht so ohne weiteres von anderen Herstellern geschlossen werden, ist Tessner überzeugt. Ein Ausweichen beispielsweise auf chinesische Anbieter verbiete sich allein schon wegen der hohen Transportkosten für die meist voluminösen Möbelstücke, die bisher aus der Schieder-Produktion stammten.

Und so könne es vielleicht schon bald sein, dass bestimmte Möbel im Preiseinstiegssegment gar nicht mehr zu den bisherigen Konditionen angeboten werden könnten. Mit dem Ergebnis, dass viele Verbraucher ihre Anschaffungen erst einmal verschieben würden, befürchtet Tessner. Eine Anbauwand zum Preis von 99 Euro gehöre dann der Vergangenheit an.

Schieder hatte am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem Gespräche mit Banken und Investoren über die weitere Finanzierung des von einem Bilanzskandal betroffenen Unternehmens gescheitert waren. „Das ist für das Unternehmen ein schwerer Schlag, aber auch für die Kreditgeber ein schwerer Schlag“, sagte Interim-Geschäftsführer Ulrich Wlecke. Mehrere Hedge-Fonds hätten besonders aggressiv versucht, ihre Forderungen zu sichern, wurde aus Bankenkreisen bekannt. Nun würden die Karten neu gemischt, sind sich die Banker sicher.

Denn das Unternehmen geht nun in die Hände eines Insolvenzverwalters über, der versuchen wird, einzelne Unternehmensteile zu verkaufen. Schieder ist mit rund 880 Mill. Euro Europas umsatzstärkster Möbelhersteller. Das Unternehmen beliefert 5000 Kunden in 60 Ländern, darunter den schwedischen Möbelriesen Ikea und den deutschen Discounter Roller. 11 000 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, davon gut 1000 In Deutschland.

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