Insolvenz
Edscha darf auf Staatshilfe hoffen

Noch am Montag hatte der Cabrioverdeck- und Türscharnierhersteller Edscha Insolvenz angemeldet, jetzt kann er staatliche Unterstützung bauen. Bayern und NRW wollen dem angeschlagenen Autozulieferer unter die Arme greifen. Die Konkurrenz geht in Lauerstellung.

HAMBURG/MÜNCHEN. Der insolvente Autozulieferer Edscha darf auf staatliche Unterstützung bauen. „Wir stehen für jede denkbare und zulässige Hilfe bereit“, sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) am Dienstag. Thobens bayerischer Amtskollege Martin Zeil (FDP) hofft ebenfalls auf eine „tragfähige Fortführungslösung“. In Bayern sind rund 2 000 Arbeitsplätze bedroht, im nordrhein-westfälischen Remscheid 300.

Der Cabrioverdeck- und Türscharnierhersteller hatte am Montag Insolvenz angemeldet, die Produktion läuft aber vorerst weiter. Edscha begründete den Schritt mit den dramatisch eingebrochenen Absatzzahlen der vergangenen Monate und der weltweiten Finanzkrise. Eigentümer ist der Finanzinvestor Carlyle. Eine Rettungsaktion unter Beteiligung der führenden deutschen Autohersteller schlug zuvor fehl, die Angst vor einem Totalausfall wächst.

Vor allem die Autohersteller Audi (A3-Cabrio) und BMW (Cabriovarianten von 3er und 6er sowie Z4) könnten absehbar Probleme mit ihren Edscha-Dächern bekommen. Allerdings stünden Wettbewerber wie Webasto und Karmann bereit, heißt es in Branchenkreisen. Technisch sei ein Anbieterwechsel durchaus möglich. Sogar eine komplette Produktionsstätte könnte übernommen werden. So hatte Karmann früher die Produktion eines Daches für die Cabrioversion des Ford Mustang vom US-Hersteller Dura Convertible übernommen.

Dennoch gibt man sich bei Karmann bedeckt. „Der Umgang mit dem Auftragsvolumen im Bereich Dachsysteme ist in erster Linie Angelegenheit der Edscha-Kunden“, sagte ein Karmann-Sprecher. Nur etwa 20 Prozent des Edscha-Umsatzes entfallen auf Dachsysteme, der Rest auf Zulieferbereiche wie Scharniere. Edscha-Konkurrent Webasto aus Stockhausen war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Fraglich ist allerdings, wer in einer Phase der Strukturbereinigung das nötige Geld für Übernahmen von Produktionsstätten hat. Karmann scheidet dem Vernehmen nach aus, Webasto hat gerade erst seine Konsolidierung abgeschlossen.

Experten sehen die Branche ohnehin langfristig unter Druck. „Der Markt für Dachsysteme bleibt hinter den Erwartungen zurück. Technologisch werden sie immer aufwendiger, die Stückzahlen sinken dagegen“, sagt Branchenexperte Engelbert Wimmer von der PA Consulting Group.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%