Insolvenz
GM: Neu und schlank, aber stark genug?

GM setzt auf einen Neustart ohne milliardenschwere Altlasten: Während Tausende von Gläubigern nun vor einem Konkursgericht darum kämpfen, wenigstens etwas Werthaltiges aus dem "alten" GM-Konzern zu erhalten, bastelt die Auto-Task-Force der US-Regierung an einem neuen und in allen Bereichen verschlankten Autohersteller.

ebe/cü NEW YORK. Wenn die Verkäufe nach einem Ende der Wirtschaftskrise wieder anziehen, so das Kalkül, könne der Konzern aus Detroit gute Gewinne einfahren und wenigstens einen Teil der gigantischen Staatshilfen zurückzahlen. Zwar glaubt David Cole vom Center for Automotive Research in Ann Arbor, Michigan, dass GM durch die Kostensenkungen im Insolvenzverfahren "profitabler denn je" operieren könne, sobald die Autokäufer zurückkommen.

Viele andere Branchenexperten zweifeln aber daran, dass der Automarkt in den USA in absehbarer Zeit noch einmal das Niveau der vergangenen Jahre erreichen wird. Die Rekordabsätze stammen aus der Ära des wilden Kredit-Booms, in der Amerikaner wie selbstverständlich ihre eigenen Immobilien beliehen, um ein neues Auto zu erwerben. In dieser Phase halfen zudem die Banken-Töchter der Autokonzerne mit billigen Finanzierungen nach, sodass Extrabreit-Garagen in den USA schick wurden, die Platz für gleich drei Fahrzeuge schufen.

Für das laufende Jahr wird inzwischen ein Absturz der Autoverkäufe unter die Zehn-Millionen-Marke erwartet. Die Auto-Task-Force des Finanzministeriums hat eingeräumt, dass man für die Industrie in diesem und im nächsten Jahr keinen Nachfrageschub erwarte. Selbst in fünf Jahren könne das Absatzniveau mit etwa 15 Millionen Fahrzeugen noch deutlich unter dem Rekordniveau liegen. GM soll deshalb so auf Diät gesetzt werden, dass der Konzern schon bei einem US-Markt von rund zehn Millionen profitabel arbeiten kann. Die alles entscheidende Frage dabei ist, wie viele Kunden GM die Treue halten.

Die Ratingagentur Fitch erwartet, dass die asiatischen Autobauer von der Pleite des US-Branchenführers profitieren werden - und zwar stärker als die europäische Konkurrenz. Die Analysten Emmanuel Bulle und Jeong Min Pak begründen dies mit dem schwindenden Vertrauen der US-Verbraucher gegenüber Autos von GM sowie dem ebenfalls insolventen Rivalen Chrysler. Toyota, Honda & Co konkurrieren mit ihren Kleinwagen und Mittelklasse-Modellen eher mit den US-Massenherstellern als die deutschen Produzenten mit ihrem Premium-Anspruch. Auch Ford will von den schweren Turbulenzen seiner Rivalen GM und Chrysler profitieren: Der Konzern werde die Produktion im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent hochfahren, zitierte das "Wall Street Journal" gestern einen namentlich nicht genannten Konzernvertreter.

Seite 1:

GM: Neu und schlank, aber stark genug?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%