Insolvenz
Karmann-Mitarbeiter bangen um Geld aus dem Sozialplan

Das Insolvenzverfahren des Automobilzulieferers Karmann gefährdet den vereinbarten Sozialplan mit den gekündigten Beschäftigten. Weil für die Gründung einer Transfergesellschaft rund 30 Mio. Euro fehlen, fürchten die entlassenen Angestellten um ihre Abfindung.

HAMBURG. Die Insolvenz des Osnabrücker Automobilzulieferers Karmann stellt den existierenden Sozialplan für die rund 1 400 gekündigten Beschäftigten des Fahrzeugbaus, der aufgrund der Auftragsflaute geschlossen werden soll, infrage. „Sie erhalten derzeit keine Abfindung und finanzieren gleichzeitig mit den ihnen zustehenden Auslauflöhnen in der Kündigungsfrist die im Sozialplan vereinbarte Transfergesellschaft im wesentlichen selbst“, sagte Karmanns-Betriebsratschef Wolfram Smolinski.

Unternehmen und Betriebsrat konnten sich nicht auf eine Liquiditätshilfe über 30 Mio. Euro einigen. Der IG Metall zufolge weigerten sich die Karmann-Gesellschafter, 20 Prozent eines entsprechenden Kredits abzudecken, für den Rest hätte das Land Niedersachsen gebürgt. Das Insolvenzverfahren könnte nun die Ansprüche der Mitarbeiter begrenzen.

Das muss aber nicht zwangsläufig der Fall sein. „Ein maximal drei Monate vor der Eröffnung abgeschlossener Sozialplan kann vom Insolvenzverwalter und vom Betriebsrat widerrufen werden – und damit können die Forderungen bei der Aufstellung eines neuen Sozialplans im Insolvenzverfahren voll berücksichtigt werden“, sagt Insolvenzrechtsspezialist Jochen Wilkens von der Kanzlei Freshfields, Bruckhaus, Deringer. „Ansonsten könnten die Ansprüche nur anteilig bedient werden.“

Das Land Niedersachsen hat eigens prüfen lassen, ob es auch einer Transfergesellschaft für das insolvente Unternehmen Karmann finanziell beispringen kann – und will mit Mitteln unter anderem aus dem Europäischen Sozialfonds helfen.

Die IG Metall bezeichnet die gestern von der Karmann-Spitze angemeldete Insolvenz als „Katastrophe für die Beschäftigten“. Als Gründe hatte Firmenchef Peter Harbig die „weltweite Finanzkrise“ und den „dramatischen Einbruch der Automobilnachfrage“ genannt.

Das ist allerdings aus Sicht von Beobachtern nur die halbe Wahrheit: Karmann hat bis vor wenigen Jahren gutes Geld mit der Lohnfertigung von Nischenmodellen wie Cabrios und Coupés verdient, es aber versäumt, sich rechtzeitig auf den Wandel in der Branche einzustellen: Um angesichts der Produktivitätsfortschritte die eigenen Belegschaften auszulasten, stellen Hersteller wie Audi, Mercedes und VW auch Kleinserien verstärkt selbst her.

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