Insolvenz
Wöhrl will Modellbahnbauer LGB retten

Dem traditionsreichen Modellbahn-Hersteller LGB droht offenbar das Aus. Doch ein Retter steht bereit, der gern eine „fränkische Lösung“ auf den Weg bringen würde. Dem Beispiel des Konkurrenten Märklin, wo gerade 200 Mitarbeiter entlassen werden, will LGB aber nicht folgen.

HB NÜRNBERG. „Uns läuft die Zeit davon“, sagte der Eigentümer Hermann Schöntag am Donnerstag. Bislang sei es nicht gelungen, weitere Investoren zu finden, um die Kaufsumme von 3,7 Mill. Euro aufzubringen. Unterdessen teilte Insolvenzverwalter Steffen Goede mit, ein Nürnberger Investor wolle das Unternehmen gemeinsam mit dem Gesellschafter LGB of America übernehmen. Dem Gläubigerausschuss liege „ein Angebot zur Fortführung des Geschäftsbetriebes“ vor.

Bei dem Investor handelt es sich um den ehemaligen Eigentümer der Fluglinie LTU und früheren Modeunternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Wöhrl habe versucht, „eine fränkische Lösung auf den Weg zu bringen“, teilte seine Verwaltungsfirma „Intro“ am Donnerstag mit. „Es sieht aber nicht so aus, als ob diese eine Chance hat“, sagte eine Firmensprecherin.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters hat der Bankenpool, dem das LGB-Werksgelände in Nürnberg gehört, den gebotenen Kaufpreis „als zu niedrig“ abgelehnt. Lediglich die Sparkasse Nürnberg habe das Angebot für ausreichend erachtet. Ohne die Zustimmung aller Banken lasse sich das Fortführungskonzept jedoch nicht umsetzen, betonte der Insolvenzverwalter. Medienberichten zufolge wollten die Banken rund eine Million Euro mehr haben, als „Intro“ zu zahlen bereit sei.

Schöntag, der auf der Insel Rügen die Kleinbahn „Rasender Roland“ betreibt, hatte im Dezember den Zuschlag zur Übernahme der insolventen LGB erhalten. Er hat eigenen Angaben zufolge bereits 1,5 Mill. Euro in den Anschub und den laufenden Betrieb des angeschlagenen Modellbahnbauers gesteckt und fürchtet nun enorme Verluste. „Ich habe den Eindruck, dass die Banken nicht an die Firma LGB glauben“, sagte Schöntag.

Die laufenden, positiven Gespräche mit möglichen Investoren würden vom „knappen Zeitfaktor“ überlagert. Trotzdem halte er es für möglich und wichtig, die Marke und die rund 130 Arbeitsplätze am Standort Nürnberg zu erhalten. Der Einstieg des britischen Investors Kingsbridge, dem bereits Märklin gehöre, sei aber „die denkbar schlechteste Lösung“ für LGB, weil die Briten nur an der Marke LGB, nicht aber an dem Nürnberger Werk interessiert seien.

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