Insolvenz
Yukos unter Aufsicht gestellt

In Moskau hat am Dienstag das Konkursverfahren gegen den einstmals größten russischen Ölkonzern Yukos begonnen. Bei der Einleitung der Insolvenz spielten westliche Banken eine dubiose Rolle.

MOSKAU. Eingeleitet wurde die Insolvenz des wegen Milliarden-Steuernachforderungen angeschlagenen Unternehmens auf Drängen eines westlichen Bankenkonsortiums, das vor knapp drei Wochen seine Kredite fällig stellte, dann aber seine Forderungen an den staatlichen Ölkonzern Rosneft weiterverkauft hat.

Die Forderungen belaufen sich auf 482 Mill. Dollar. Zum Bankenkonsortium gehören 14 westliche Banken unter Führung der französischen Société Générale. Beteiligt sind auch die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Analysten rechnen damit, dass im Zuge des Bankrotts die bisher noch verbliebenen Fördertöchter von Yukos auch an Rosneft gehen. Der staatliche Konzern, der noch in diesem Jahr den weltweit größten Börsengang anstrebt, hatte sich bereits im Rahmen einer Zwangsversteigerung die wichtigste Yukos-Tochter Yuganskneftegaz Ende 2004 für nur 9,4 Mrd. Dollar einverleibt.

Der bisherige Yukos-Mehrheitsaktionär GML will Rosneft aber nicht allein das Heft des Handelns überlassen: Der Rechtsnachfolger der vom inhaftierten Yukos-Gründer Michail Chodorkowskij einst mehrheitlich beherrschten Menatep-Gruppe macht Verbindlichkeiten von 664 Mill. Dollar gegen den inzwischen auf Platz sechs zurückgefallenen russischen Ölkonzern geltend. Yukos verlangt eine Verschiebung des Konkursverfahrens.

Die aktuellen Steuernachforderungen gegen Yukos belaufen sich zusätzlich auf 6,3 Mrd. Dollar. außerdem schuldet Yukos noch Yukos Finance und dem Yukos-Ölhändler Energotrade zusammen rund sechs Mrd. Dollar. Das Moskauer Schiedsgericht muss nun einen Insolvenzberater bestimmen, der in Russland entscheidet, welche Gläubiger bevorzugt Vermögenswerte des sterbenden Unternehmens bekommen.

Yukos war nach der Verhaftung Chodorkowskijs, im Jahr 2003 durch Milliarden-Steuernachforderungen an den Rand des Ruins gebracht worden. Dennoch hielten die westlichen Gläubiger bis vor knapp drei Wochen still. Weder die beteiligten Banken noch Rosneft wollten jetzt die aktuelle Insolvenzklage kommentieren. Yukos-Chef Steven Theede hatte den Banken mehrfach zugesagt, die ausstehende Summe zurückzuzahlen.

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