Insolvenzankündigung
Aufträge konnten die P+S-Werften nicht mehr retten

Selbst die Staatsbürgschaft und volle Orderbücher konnten die P+S-Werften in Stralsund und Wolgast offenbar nicht mehr vor der Pleite bewahren. Auch Bundeskanzlerin Merkel hatte bei ihrem Besuch keine Hilfe im Gepäck.
  • 0

SchwerinDie Insolvenz zweier Werften stürzt Mecklenburg-Vorpommern wieder einmal in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Dabei geht es den Schiffbauern in Deutschland derzeit gar nicht so schlecht, sagt der Branchenverband. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reiste am Dienstag in ihren Wahlkreis in Stralsund, wo sie mit dem Schweriner Regierungschef Erwin Sellering (SPD) und dessen Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) vor die Werftarbeiter trat. Doch Hilfspakete hatte sie nicht im Gepäck: "Wir haben der Werft geholfen - der staatliche Rahmen ist ausgeschöpft", sagte sie dem NDR.

Am Vortag hatte der Geschäftsführer der P+S-Werften in Stralsund und Wolgast, Rüdiger Fuchs, den Insolvenzantrag angekündigt. Obwohl die Orderbücher mit Aufträgen im Wert von über einer Milliarde Euro gefüllt seien und Bund und Land erst im Juni Millionen schwere Beihilfen zusagten, seien die Betriebe über das Jahresende hinaus nicht zu finanzieren, begründete er seinen Schritt.

Die Werften gehören zu den wenigen Industriebetrieben im strukturschwachen Vorpommern, das sonst vor allem von der Landwirtschaft und dem Tourismus lebt. 1800 Schiffbauer sind direkt auf den P+S-Werften beschäftigt. Mehrere tausend weitere Jobs sind bei Zulieferfirmen der Region in Gefahr. Bereits vor zwei Jahren bekamen die P+S-Werften Staatsbürgschaften über mehr als 300 Millionen Euro. Im Gegenzug musste die Bremer Hegemann-Gruppe die Werften in eine Treuhandgesellschaft ausgliedern.

Die erneute Schieflage bei den P+S-Werften ist seit längerem bekannt. Insgesamt würden 300 Millionen Euro fehlen, hieß es im Frühjahr. Mit entsprechendem Engagement machte sich die SPD/CDU-Landesregierung bei der EU in Brüssel stark, um Rettungsbeihilfen von bis zu 152 Millionen Euro zahlen zu können. Das sei "nicht ohne Risiko", sagte Sellering damals. Weiteres Geld sollten die Zulieferer, die Banken und indirekt die Mitarbeiter zur Verfügung stellen.

Genützt hat es nicht. Geschäftsführer Fuchs, der erst vor zwei Wochen seinen Dienst antrat, kam zu dem Schluss, die Werften hätten sich auf dem Weg von der Serienproduktion zum Spezialschiffbau "zu viel vorgenommen".

Seite 1:

Aufträge konnten die P+S-Werften nicht mehr retten

Seite 2:

Vertragsstrafen statt Einnahmen

Kommentare zu " Insolvenzankündigung: Aufträge konnten die P+S-Werften nicht mehr retten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%