Insolvenzverfahren
Gläubiger wehren sich gegen Chrysler-Verkauf

Der US-Autobauer Chrysler stößt mit seinem Insolvenzantrag auf Widerstand. Eine Gruppe von Gläubigern will Einspruch gegen den Plan einlegen, das zahlungsunfähige Unternehmen zu verkaufen. Das widerspreche dem Verfahren des Gläubigerschutzes nach "Chapter 11". Nicht die Geldgeber zweifeln mittlerweile am Sinn der Aktion.

HB WASHINGTON/DETROIT. Die Geldgeber wehren sich gegen die Art, wie Chrysler versuche, die Erlöse aus dem Verkauf zu verteilen. Der Konzern habe auch seinen Investoren gegenüber Verpflichtungen, sagte sagte der Gläubiger-Anwalt Tom Lauria am Freitag. Er vertritt eine Gruppe von 20 Fonds, denen Chrysler rund eine Milliarde Dollar schuldet.

Chrysler hat am Donnerstag nach monatelangem Ringen den Insolvenzantrag eingereicht. Verhandlungen mit mehreren Gläubigern über ein neues Sanierungskonzept waren zuvor gescheitert. Nun soll das Unternehmen an die Regierung, den italienischen Hersteller Fiat und die Gewerkschaften verkauft werden.

In der gesamten US-Autobranche schürt die Insolvenz neue Ängste. Bei Zulieferern und Händlern von Chrysler läuteten die Alarmglocken als der drittgrößte US-Autobauer eher überraschend ankündigte, die Produktion für die Dauer des Insolvenzverfahrens größtenteils zu stoppen. US-Experten wiesen auf die Gefahr hin, dass sich die Amerikaner angesichts der unsicheren Zukunft endgültig von den Konzernmarken Chrysler, Jeep und Dodge abwenden könnten.

Die Insolvenz markiert eine Zeitenwende. Es ist laut Experten die bisher größte Pleite eines Autoherstellers. Sie soll kontrolliert ablaufen, wie US-Präsident Barack Obama sagte. Sein Plan: Chrysler soll geschützt vor seinen Gläubigern Ballast abwerfen und in ein bis zwei Monaten mit Fiat als Partner das Insolvenzverfahren wieder verlassen. Die US-Regierung gibt Chrysler weitere Hilfen von insgesamt rund acht Milliarden Dollar. Fiat soll zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken. Die Italiener investieren kein Geld, sondern nur Technologie.

Obama versuchte, die Sorgen zu zerstreuen. Die Insolvenz sei "kein Zeichen von Schwäche". Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Der Präsident gab die Schuld ausdrücklich einer Handvoll von Chrysler-Gläubigern, die sich gegen einen weitgehenden Verzicht auf ihre Forderungen gesträubt und dadurch erst das Insolvenzverfahren unausweichlich gemacht hätten.

Bereits am Donnerstag wurden die Grundlagen für einen Neustart von Chrysler gelegt. Die Gewerkschaft UAW soll wie angekündigt die Mehrheit an dem neuen Unternehmen bekommen. Ihr Gesundheitsfonds VEBA soll nach Abschluss des Insolvenzverfahrens 55 Prozent halten. Die US-Regierung werde acht Prozent der Anteile halten, Kanada für weitere Milliardenspritzen zwei Prozent. Fiat dürfte erst eine Mehrheit an Chrysler übernehmen, wenn alle staatlichen Kredite zurückgezahlt sind.

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