Intelligente Kleidung
Der vernetzte Laufschuh

Die Sporthersteller investieren Millionen in die Entwicklung leichter und atmungsaktiver Schuhe. Jetzt erobern moderne Sensoren die High-Tech-Schlappen - damit neue Bestleistungen auch auf facebook gewürdigt werden.
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HerzogenaurachAlles sieht auf den ersten Blick aus wie in einer normalen Turnhalle. In der einen Hälfte liegt grüner Kunstrasen, darauf steht ein Fußballtor. Den Rest des Bodens bedeckt ein grauer Plastikbelag, eine Laufbahn ist darauf markiert.

Doch die Sportler im Tiefparterre der Konzernzentrale von Adidas sind nicht gekommen, um für den nächsten Wettkampf zu trainieren. Sie sind einzig und allein dazu da, um die modernsten T-Shirts, die innovativsten Bälle und die Laufschuhe der übernächsten Generation auf Herz und Nieren zu testen.

Ein Dutzend Hochfrequenz-Kameras zeichnet jede noch so kleine Bewegung von Sprintern auf, sogenannte Kraftplatten auf dem Boden messen, wie sich das Gewicht der Läufer in den Schuhen verteilt. „Wir versuchen, den Menschen zu verstehen“, sagt Bernhard Krabbe, der Chef des Sport Research Labs von Adidas. Bis zu 500 Bilder pro Sekunde schießen die Fotoapparate, die Krabbes Team aufgebaut hat. So können die Spezialisten genau analysieren, ob die Sohle griffig genug ist, ob der Läufer genügend Halt hat, welche Kräfte an den Gelenken zerren, kurz, ob die neuen Turnschuhe etwas taugen.

Es hat seinen Grund, dass Adidas einen solch immensen Aufwand treibt. Der Wettbewerb ist knallhart, und es ist schwer, sich von den Rivalen abzusetzen. Schließlich produzieren die drei führenden Sportkonzerne Nike, Adidas und Puma in denselben Fabriken in Asien. Es sind dieselben Lieferanten, von denen die Grundstoffe kommen, und es sind dieselben Arbeiter, die an den Bändern sitzen. „Innovationen in unserer Branche sind in manchen Bereichen sehr schnell kopierbar“, klagt Adidas-Vorstand Erich Stamminger.

Deshalb will Adidas stets die leichtesten Produkte anbieten, „ohne dabei die Funktion zu vernachlässigen“, betont Stamminger. Denn was nützt ein Ultra-Leichtgewichtsschuh, wenn der Jogger jeden Kieselstein spürt? Das Gewicht zu reduzieren ist ein Trend, der die Branche die nächsten Jahre in Atem halten wird. „Die Produkte werden wieder filigraner und damit auf das Wesentliche reduziert“, sagt Hartmut Heinrich, Sportexperte der Unternehmensberatung Vivaldi Partners in Hamburg.

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