Interbrew sichert sich im Bieterwettstreit die zweitgrößte russische Brauerei
Russlands neuer Bierdurst lockt westliche Konzerne

Russlands Biermarkt kommt in Bewegung. Seit Jahren wächst der Markt zweistellig, zwei Drittel aller Russen geben mittlerweile an, regelmäßig Bier zu trinken, weit mehr als in Zeiten der Sowjetunion, als Wodka noch die unangefochtene Nummer Eins unter den Alkoholika war.

MOSKAU. Der neue Bierboom verspricht lohnende Geschäfte, und der Markt zwischen einheimischen Brauereien und westlichen Großkonzernen ist noch längst nicht aufgeteilt.

Wie heftig die Interessen aufeinander stoßen können, zeigt sich am Fall des zweitgrößten russischen Anbieters, der Sun Gruppe. Erst jüngst übernahm der belgische Bierriese Interbrew für 530 Mill. Euro rund 75 Prozent des indisch- britischen Gemeinschaftsunternehmens und kam damit dem Moskauer Oligarchen Michail Fridman zuvor. Interbrew war der Einstieg so wichtig, dass man mit 15,35 Dollar pro Aktie deutlich mehr als den Marktpreis zahlte.

Vorausgegangen war ein heftiger Bieterwettbewerb. Der Sun-Interbrew-Kurs war in den vergangenen Wochen schon kräftig angezogen, weil Fridman über seine Alfa- Gruppe massiv Papiere des zweitgrößten Brauereiverbundes in Russland aufgekauft hatte. Die Alfa- Gruppe, die bereits die Alfa-Bank besitzt und große Anteile an Mobilfunk-Unternehmen sowie dem Ölkonzern TNK-BP, hatte sich so inzwischen mehr als zehn Prozent von Sun Interbrew gesichert.

Die belgisch-indische Firma ist für Interbrew von strategischer Bedeutung. Die Sun-Interbrew-Brauereien stellen in Russland neben Interbrew-Marken wie „Stella Artois“ etliche russische Biersorten her wie „Dickerchen“ oder „Sibiriens Krone“. Damit machte Sun im vorigen Jahr rund 540 Mill. Euro Umsatz und erwirtschaftete einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 101 Mill. Euro. Damit steuerten die russischen Beteiligungen 2003 rund sieben Prozent zum Interbrew-Gewinn bei. In der Ukraine ist Sun Interbrew sogar die Nummer eins des Biermarkts. Und auch hier ist der Durst noch lange nicht gelöscht.

Russische Marken, westliche Brauer – dieses Konzept geht aber nicht nur für die Belgier auf. Der boomende Biermarkt Russlands ist schon seit langem Tummelplatz internationaler Brauerei-Konzerne: So hat der holländische Heineken- Konzern nach erst spätem Engagement in Russland vor wenigen Tagen seine Stellung als Nummer drei ausgebaut: Heineken übernahm sämtliche Produktionswerke der russischen Zentral-Europäischen Brauerei. Auch der südafrikanische Bierkonzern South African Breweries, die türkische Efes-Gruppe sowie die US-amerikanische Detroit Brewing sind in Russland vertreten.

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