Interbrew übernimmt Spaten-Franziskaner
Ausverkauf auf dem deutschen Biermarkt

Ausländische Braukonzerne erobern den deutschen Biermarkt: Zwei Tage vor dem Beginn des Oktoberfestes übernahm gestern der belgische Brauriese Interbrew die Münchener Traditionsbrauerei Spaten-Franziskaner- Bräu KGaA. Mit einem Marktanteil von knapp 11 % werden die Belgier damit zum größten Brauer hier zu Lande. Experten erwarten, dass es zu weiteren Übernahmen kommt, da mit Brau & Brunnen und Holsten zwei große deutsche Brauereien auf Partnersuche sind.

jojo/ire MÜNCHEN/DÜSSELDORF. „Wir haben jetzt das beste Markenportfolio in Deutschland“, freute sich Interbrew-Chef John Brock in München. „Mit der Übernahme wollen wie vor allem unser Geschäft in Süddeutschland und im Weißbier-Bereich ausbauen.“

Für insgesamt 533 Mill. Euro kauft Interbrew in einer komplexen Transaktion die Münchener Marken Spaten, Löwenbräu und Franziskaner (Weißbier). Darüber hinaus erwirbt das belgische Unternehmen die Stuttgarter Brauereien Dinkelacker und Schwaben Bräu. Brock zeigt sich zuversichtlich: „Der deutsche Markt verliert zwar jedes Jahr ein bisschen. Es ist dennoch der größte Markt in Europa. Da wollen wir dabei sein.“

Interbrew hat in nur zwei Jahren fast ein Dutzend deutscher Biermarken geschluckt: neben dem Aushängeschild Beck’s auch die Ost-Marke Hasseröder, das Altbier Diebels und Gilde. Damit ist ein großer Teil der bekanntesten deutschen Biere in belgischer Hand.

Neben Interbrew hat sich auch Heineken in München engagiert: Der niederländische Brauriese hat sich vor zwei Jahren mit Paulaner verbündet, das zur Schörghuber- Gruppe gehört. Schörghuber hat sich nicht aus aus dem Brau-Geschäft zurückgezogen – im Gegensatz zu Spaten-Franziskaner: Das unternehmen beschränkt sich künftig auf das Immobiliengeschäft.

Durch die Übernahme ist Interbrew mit Abstand größter deutscher Brauer. Auf Rang zwei folgt Holsten. Auch Holsten sucht einen starken internationalen Partner. Seit Wochen wird spekuliert, dass Weltmarktführer Anheuser-Busch (USA) einsteigen werde.

Im Vergleich zum Ausland ist die deutsche Braulandschaft ausgesprochen zersplittert. Alleine in Bayern gibt es noch mehr als 600 mittelständische Betriebe. Mit einem Umsatz von 315 Mill. Euro ist im internationalen Vergleich selbst Spaten-Franziskaner klein. Zum Vergleich: Interbrew erzielte vergangenes Jahr Erlöse von 7 Mrd. Euro.

Die deutschen Brauereien sind im internationalen Maßstab aber nicht nur zu klein. Auch die Politik macht ihnen zu schaffen. Im Frühjahr brach der Bierkonsum wegen des Dosenpfands abrupt ein. Damit noch nicht genug: Für den Herbst erwarten sie neue Belastungen durch die Lastwagen-Maut. „Die Rahmenbedingungen in Deutschland werden so immer schwieriger“, begründete gestern Jobst Kayser-Eichberg, Vorstandschef von Spaten-Franziskaner, den Verkauf.

Interbrew ist der viertgrößte Braukonzern der Welt. Seit Ende der 80-er Jahre befinden sich die Belgier auf Einkaufstour und liefern sich ein packendes Rennen mit Konzernen wie Anheuser-Busch, Heineken, und SAB-Miller. In Deutschland wird weiterhin um die Zukunft der zum Verkauf stehenden Dortmunder Brau und Brunnen AG (BuB) spekuliert. Dass bald ebenfalls eine Entscheidung anstehen könnte, verwies Brau-und-Brunnen-Sprecher Udo Dewies gestern in das Reich der Fabel. „Wir haben weiterhin mehrere Kaufinteressenten. Der bis zum Jahresende angepeilte Verkauf ist allerdings kein Dogma. Wir haben keinen Druck“, sagte Dewies.

Unterdessen ist für den 25. September sowohl eine Aufsichtsratssitzung der Dortmunder Braugruppe als auch eine außerordentliche Hauptversammlung beim Kaufinteressent Radeberger angesetzt. Ein „Zufall“, wie aus Kreisen des BuB-Aufsichtsrates gestern zu hören war. Auch Radeberger dementierte einen Zusammenhang. Die Hauptversammlung beschäftige sich ausschließlich mit dem „Squeeze-out“, dem legalen Herausdrängen der verbliebenen Privataktionäre aus der Radeberger AG, erläuterte ein Unternehmenssprecher. Der Bielefelder Oetker-Konzern hält mehr als 95 % der Radeberger-Anteile.

In München bietet der Interbrew-Coup genug Gesprächsstoff auf der „Wiesn“. Ein Trost bleibt den Bajuwaren: Am Bier selbst wird sich nichts ändern. Der Gerstensaft wird weiterhin im Zentrum der Landeshauptstadt gebraut.

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