Interesse am Stuttgarter Konkurrenten Ed. Züblin
Walter Bau will 2005 neuen Übernahme-Versuch starten

Der Augsburger Konzern Walter Bau plant einen neuen Vorstoß zur vollständigen Übernahme seines Stuttgarter Konkurrenten Ed. Züblin - allerdings erst im kommenden Jahr.

HB MÜNCHEN/STUTTGART. Das sagte Firmengründer und Aufsichtsratschef Ignaz Walter der „Süddeutschen Zeitung“ einem Vorabbericht vom Donnerstagabend zufolge. Vorher wolle Walter Bau einige Vermögenswerte verkaufen und ihre Kredite zurückführen, um das kapitalschwache Unternehmen zu stärken. Der Konzern versucht die Stuttgarter Industriellenfamilie Lenz nach Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen zu einer Verlängerung der Kaufoption für deren Züblin-Anteile zu bewegen, die am Dienstag verstrichen war. Lenz hält 42,7 % der Züblin-Aktien.

Der Verkauf an Walter Bau war geplatzt, da sich die Banken vor Ablauf der Frist nicht auf die Finanzierung des laufenden Geschäfts im fusionierten Konzern einigten. Übereinstimmenden Informationen aus den Kreisen und von Bankmanagern zufolge hat vor allem die Gruppe um die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Transaktion blockiert. Die Finanzierung der Anteilsübernahme selbst steht Walter Bau zufolge. Die bei Züblin engagierten Banken wollen am Freitag noch einmal beraten. Viele von ihnen sind auch bei Walter Bau engagiert. In Bankenkreisen wurden Berichte zurückgewiesen, dass der LBBW eine Freistellung von allen Risiken bei Walter Bau angeboten worden sei.

Walter Bau hatte rund 48 % an Züblin gehalten und sich zuletzt weitere knapp fünf Prozent von einem institutionellen Investor gesichert, so dass Walter bereits jetzt die Mehrheit an Züblin hält. Durch die Übernahme der Anteile der Familie Lenz, deren Verhältnis zu Ignaz Walter als angespannt galt, könnte Walter Bau ihren Anteil auf 97 % erhöhen und damit ihre Position als drittgrößter deutscher Baukonzern festigen. Züblin gilt wegen des hohen Anteils an Ingenieurleistungen als Perle in der seit Jahren mit der Konjunkturschwäche kämpfenden deutschen Baubranche. Ignaz Walter sagte der „Süddeutschen Zeitung“, sein Unternehmen wolle sich verstärkt um Aufträge aus Osteuropa und aus Asien bemühen. Nach Informationen der Zeitung hat das Unternehmen allein 460 Mill. € ausstehende Forderungen an seine Kunden.

Die LBBW wies Berichte über eine politische Einflussnahme der Landesregierung und Meinungsunterschiede im Vorstand der Bank am Donnerstag zurück. „Unsere Position ist rein auf das Geschäft bezogen. Das hat nichts mit Industriepolitik zu tun“, sagte ein Sprecher. In Walter Bau nahe stehenden Kreisen hieß es dagegen, die LBBW blockiere, weil die baden-württembergische Landesregierung das Abwandern eines Stuttgarter Unternehmens fürchte. „Es gibt keine sichtbaren finanzwirtschaftlichen Gründe“, verlautete aus den Kreisen. In anderen der Situation nahe stehenden Kreisen hieß es, selbst die Bundesregierung habe Druck ausgeübt, dass die Fusion zu Stande kommen, um die nötige Konsolidierung der angeschlagenen Bauindustrie zu beschleunigen. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium wollte sich nicht äußern.

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