Interesse des Finanzinvestors CVC
Böhler-Verkauf erregt Österreich

Die mögliche Übernahme des österreichischen Spezialstahlherstellers Böhler-Uddeholm durch den britischen Finanzinvestor CVC hat in Österreich eine hitzige politische Debatte ausgelöst. Dabei wird deutlich, dass innerhalb der Großen Koalition tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten über den künftigen Wirtschaftskurs herrschen.

WIEN. Während der sozialdemokratische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer angesichts des möglichen Einstiegs von CVC von einer „Katastrophe“ sprach, verteidigte der konservative Wirtschaftsminister Martin Bartenstein das Vorhaben. „Ich kann jemandem wie CVC nichts vorschreiben“, sagte er und bezeichnete die Reaktion des Kanzlers als „eigentliche Katastrophe“.

CVC hatte in der vergangenen Woche bestätigt, Interesse an dem börsennotierten Stahlhersteller zu haben, dessen Aktien sich zu mehr als 70 Prozent im Streubesitz befinden. Der einzige Großaktionär, eine Gruppe um den Badener Anwalt Rudolf Fries, wäre bereit, sein Paket an CVC zu verkaufen. Ein konkretes Übernahmeangebot für Böhler-Uddeholm liegt jedoch noch nicht vor. In dieser Woche legt das Unternehmen seine Bilanz für das vergangene Jahr vor. Konzernchef Claus Raidl äußerte sich bereits im Vorfeld und kritisierte den „Chauvinismus des Bundeskanzlers“: „Das ist wirtschaftspolitische Steinzeit.“ Der Böhler-Vorstand hat seine Vorstellungen gegenüber CVC bereits konkretisiert. Er fordert unter anderem, dass die Zentrale nicht aus Österreich abgezogen wird und dass das Unternehmen auch nach einer Übernahme an der Börse notiert bleibt. CVC-Manager Christian Wildmoser hat angekündigt, nicht gegen den Vorstand agieren zu wollen. Raidl schließt nicht aus, dass noch Konkurrenzangebote für Böhler-Uddeholm eingehen.

Der sozialdemokratische Fraktionschef Josef Cap sieht darin eine Gefahr. Er warnt schon jetzt davor, dass „ein österreichischer Vorzeigebetrieb zum Spielball der internationalen Finanzwelt“ wird. Ganz konsequent verhalten sich die Sozialdemokraten allerdings nicht: Dem derzeit laufenden Verkauf der angeschlagenen Bank Bawag, die auch die Finanzen ihres bisherigen Besitzers, des Gewerkschaftsbunds in Mitleidenschaft gezogen hat, an den US-Finanzinvestor Cerberus haben sie zugestimmt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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