Interessenskonflikte: Aktionäre wollen Balda-Aufsichtsrat stürzen

Interessenskonflikte
Aktionäre wollen Balda-Aufsichtsrat stürzen

Der Streit zwischen dem Aufsichtsrat des Medizintechnik-Herstellers Balda und den Anteilseignern spitzt sich zu. Jetzt hat Großaktionär Octavian die Abwahl des Kontrollgremiums beantragt.
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DüsseldorfIm Streit um mögliche Interessenkonflikte des Balda -Aufsichtsrates machen die Aktionäre des angeschlagenen Medizintechnik-Produzenten Druck: Der New Yorker Großaktionär Octavian warf dem Kontrollgremium am Freitag in Düsseldorf erneut vor, nicht im Interesse aller Aktionäre zu handeln. Mit seinem Antrag auf Abwahl des Aufsichtsrates stößt der Investor bei Aktionärsvertretern auf Gegenliebe. Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sagte dazu: „Wir haben eine gewisse Sympathie für den Antrag auf Abwahl des Aufsichtsrates“. Die Unabhängigkeit des Gremiums sei fraglich. Es habe in der Vergangenheit mehrfach „intransparente Vorgänge“ gegeben.

Balda hatte in den vergangenen Wochen bereits erklärt, die Vorwürfe seien unbegründet und nicht nachvollziehbar.

„Was wir ganz klar wissen ist, dass der Aufsichtsrat nicht im Sinne der Aktionäre handelt“, beharrt Octavian-Manager Igor Kuzinar. Das Gremium werde von Großaktionär Michael Chiang und seiner Familie kontrolliert, die ihre eigenen Interessen verfolgten.

Octavian Advisors, nach eigenen Angaben mit rund acht Prozent an Balda beteiligt, hatte die Abwahl des Balda-Aufsichtsrates gefordert und eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt. Die Aktionäre kommen am 8. Februar zusammen. Der Großaktionär geht mit eigenen Kandidaten ins Rennen und schlägt den ehemaligen Adidas-Manager Rene Charles Jäggi, Finanzinvestor Behdad Alizadeh und Octavian-Manager Kuzinar vor. Aber auch Chiang - mit knapp 28 Prozent größter Aktionär bei Balda - könne einen Vertreter in das Gremium entsenden, sagte Kuzinar.

Vor allem die Absage des zunächst geplanten Verkaufs der Beteiligung am taiwanischen Touchscreen-Hersteller TPK ist Octavian ein Dorn im Auge. Das hätte die Balda-Aktionäre 350 Millionen Euro gekostet, sagte Kuzinar. Zudem kritisierte er, dass der Aufsichtsrat ausschließlich mit Vertretern der Familie Chiang besetzt sei - mithin die Interessenkonflikte vorprogrammiert seien. TPK gehört zu 25 Prozent Chiang und seiner Familie.

Der ehemalige Vorstandschef Rainer Mohr hatte im April 2011 angekündigt, sich vom größtmöglichen Teil der TPK-Aktien zu trennen und den Erlös unter anderem für eine Sonderausschüttung zu nutzen. Das Vorhaben wurde allerdings mehrfach verschoben. Schlussendlich gab der Vorstand Mitte November den geplanten Teilverkauf bis auf Weiteres auf und begründete dies mit dem Kursverfall der Titel in den Wochen zuvor. Waren die TPK-Aktien im Frühjahr 2011 noch rund 900 Taiwan Dollar (TWD) wert, so werden sie inzwischen mit nur noch 360 TWD gehandelt. Ende Dezember ging Mohr dann von Bord. Balda begründete seinen Abgang mit „unterschiedlichen strategischen Vorstellungen.“ Der Aufsichtsrat präsentierte aber sogleich mit Dominik Müser und James Lim zwei neue Vorstände.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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