International wächst Kritik am Vorgehen der Behörden
Yukos-Schicksal jetzt in Händen des Kremls

Die russischen Justizbehörden haben am Mittwoch ein Vollstreckungsverfahren gegen den größten russischen Ölkonzern Yukos eingeleitet. Mit Ablauf des Geschäftstages sei Yukos im Verzug mit Steuernachzahlungen in Höhe von 99 Mrd. Rubel (2,8 Mrd. Euro), teilte das Justizministerium in Moskau mit. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist für eine milliardenschwere Steuernachzahlung bekräftigte der russische Ölkonzern, dass er die Forderung nicht bedienen könne.

HB MOSKAU. „Wir sind nicht in der Lage zu bezahlen, und wir haben bislang auch nicht gezahlt“, sagte ein Unternehmensvertreter am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Hugo Erikssen, Chef des Bereichs internationale Kommunikation bei Yukos, sagte: „Wenn uns die Regierung nicht mehr Zeit für die Rückzahlung dessen einräumt, was wir schuldig sind, ... werden wir, im technischen Sinn, insolvent sein.“ Ob es vor Ablauf der Zahlungsfrist um 22 Uhr MESZ tatsächlich noch Verhandlungen mit der Regierung in Moskau gab, war unklar.

Ungeachtet dessen lagen die Yukos-Werte an der Moskauer Börse kurz vor Börsenschluss mit 12,7 % im Plus. Der Markt hoffte auf eine Übertragung der Mehrheitsanteile an den Staat und den Fortbestand des Konzerns.

Während es in Unternehmenskreisen hieß, in Gesprächen mit der Regierung werde nach einer Lösung gesucht, dementierte Erikssen dies. Die Regierung habe nicht auf die Versuche von Yukos reagiert, eine Lösung zu finden, sagte der Manager. Bis zuletzt hatte die Yukos-Führung versucht, noch eine Umschuldung zu erreichen. Yukos hat nach eigenen Angaben Barmittel in Höhe von etwa einer Milliarde Euro. Das Vermögen des Konzerns ist gesperrt.

In den Kreisen dagegen hieß es: „Es ist eine sehr kleine Gruppe von (Yukos-)Leuten, die sich in Gesprächen auf allen Regierungsebenen treffen.“ Was nach Ablauf der Frist passieren würde, sei dem Unternehmen nicht bekannt, sagte Erikssen. Die Frage, ob Yukos Bankrott gehen werde, sei „eine politische Entscheidung“. Der Unternehmensvertreter sagte, nach Ablauf der Frist könnten die Gerichtsvollzieher damit beginnen, das Vermögen von Yukos zu bewerten, um es zum Kauf anzubieten. Das russische Finanzministerium hatte am Dienstag die Möglichkeit einer Fristverlängerung für die Rückzahlungen angedeutet.

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