Internationale Ambitionen
Steilmann soll Marke werden

Die italienische Industriegruppe Miro Radici will sich mit dem übernommenen Traditionshersteller Steilmann im internationalen Modezirkus etablieren. Mit den Marken Steilmann, Apanage, Emozioni und Kapalua soll der weltweite Erfolg gelingen. Doch die Branche ist skeptisch.

DÜSSELDORF. Miro Radici möchte die Restrukturierung des im September übernommenen Traditionsherstellers Steilmann noch in diesem Jahr abschließen. „Steilmann zu übernehmen, war eine fantastische Entscheidung, die ich noch zu keiner Zeit bereut habe. Ich bin zuversichtlich, dass Steilmann schon in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt“, sagte Vorstandschef Michele Puller dem Handelsblatt. Anschließend werde die internationale Etablierung und Expansion von Steilmann als Alternative zu Damenmodemarken wie Gerry Weber und Basler mit eigenen Flächen in Kaufhäusern und Filialen starten.

Miro Radici ist in den vergangenen zwei Jahren durch Zukäufe zu einem stillen Star in der deutschen Modebranche mit rund 2 500 Mitarbeitern aufgestiegen. Zum Portfolio gehören der einst größte europäische Mode- und Textilhersteller Steilmann mit den Töchtern Nienhaus & Lotz, Dressmaster sowie den Modemarken Apanage, Emozioni und Kapalua sowie die Modehäuser Boecker (vier Filialen) und 50 Prozent der Modekette Wehmeyer (44 Filialen). Der konsolidierte Umsatz von Miro Radici belief sich 2006 auf rund 850 Mill. Euro und soll sich laut Puller bis 2010 auf eine Milliarde Euro erhöhen. Die Gruppe unterhält eigene Fabriken in Lettland und Rumänien mit insgesamt 5 000 Mitarbeitern, deren Qualitäten von Masse für Marks &Spencer bis hin zu Klasse für Escada reichen.

Das Umsatzwachstum soll durch die Umstellung des Geschäftsmodells erreicht werden. Die Marken Steilmann, Apanage, Emozioni und Kapalua sollen international bekannt gemacht und ihre Prozesse vertikalisiert werden. Vertikalisierung heißt, die Wertschöpfungskette vom Entwurf bis zum Verkauf zu beherrschen. Die Marken der Gruppe sind dabei unterschiedlich weit: Während die neue Kollektion von Steilmann noch in der Entwicklung ist, und die neue Kollektion von Emozioni im Juli ihre Premiere hatte, ist Apanage bereits etabliert. Die Anzahl der 65 Flächen von Apanage im Einzelhandel soll bis Ende 2008 verdoppelt werden. Zudem soll bis Ende 2007 die erste Filiale eröffnen.

In der Branche, in der sich Miro Radici bisher nur einen Namen als Beschaffer für Discounter wie Aldi gemacht hat, ist man skeptisch. Die aufgekauften Marken gelten aufgrund ihrer noch geringen Bekanntheit und ihrer traditionellen Prozesse, die nur geringe Margen erlauben, nicht als erste Wahl. „Die Vertikalisierung, also die Prozesse wie Hennes & Mauritz oder Esprit steuern zu können, ist das Ziel der meisten Unternehmen in der Branche. Doch vom traditionellen Hersteller, der auf den Zentraleinkäufer eines Kaufhauskonzerns wartet, hin zum integrierten Modekonzern ist es ein weiter Weg, der sich selbst bei klarer Fokussierung auf eine Marke wie bei Gerry Weber über Jahre hinziehen kann“, sagt Kerstin Lehmann von der Strategieberatung OC&C.

Für die übernommene Traditionsfirma Steilmann, die im vergangenen September vor der Pleite stand, ist Miro Radici die wohl letzte Chance. Die Zahl der Mitarbeiter in Wattenscheid wurde seit vergangenem Jahr noch einmal von 500 auf 250 halbiert. Die Verbliebenen sollen sich auf die Kollektionsentwicklung und Vermarktung der noch zu etablierenden Modemarke Steilmann konzentrieren. Als Drehscheibe für das Massengeschäft – als Hersteller von Handelsmarken für Kaufhauskonzerne war Steilmann einst zu Europas größtem Bekleidungshersteller aufgestiegen – fungiert jetzt Shanghai. 300 Mitarbeiter organisieren in der chinesischen Metropole die Abläufe – vom Design bis hin zur Verschiffung.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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