Internationale Energiemärkte
Türkei zieht deutsche Energiekonzerne an

Eon hat bereits eine Landesgesellschaft gegründet und plant die ersten Kraftwerke, für die Energie Baden-Württemberg ist es Teil der Zukunftsstrategie und auch RWE soll den Markt im Auge haben: Die Türkei steht im Fokus der deutschen Energiekonzerne. Der Markt lockt mit hohen Wachstumsraten, hat aber auch Tücken – die Privatisierung kommt nur schleppend voran.

DÜSSELDORF. Als Eon-Chef Wulf Bernotat im Frühjahr in Spanien zurückstecken und Konkurrent Enel die Übernahme des Versorgers Endesa überlassen musste, erklärte er umgehend zwei neue Märkte zu Wachstumsregionen des Konzerns: Russland und die Türkei. Und als er vor kurzem stolz die Übernahme des russischen Stromproduzenten OGK-4 verkündete, folgte nur ein Tag später eine Erfolgsmeldung aus der Türkei. Deutschlands größter Energiekonzern gründete mit der türkischen Turcas zwei Joint-Ventures, um gemeinsam zwei 800 Megawatt starke Kraftwerke zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben. Eines soll mit Steinkohle und eines mit Erdgas betrieben werden. Die Landesgesellschaft Eon Elektrik Üretim wird jeweils 70 Prozent der Anteile halten.

„Mit ihrem stark wachsenden Energieverbrauch und ihrem dringendem Bedarf an zusätzlicher Erzeugungskapazität ist die Türkei einer der attraktivsten Energiemärkte und bietet daher gute Wachstumschancen“, sagt Lutz Feldmann, der im Eon-Vorstand für neue Märkte zuständig ist. Die Startbedingungen ähneln denen in Russland. In beiden Ländern steigt der Verbrauch überproportional an, während die Kraftwerke veraltet sind. Beide sind auf Investoren aus dem Ausland angewiesen, die neue Anlagen bauen.

Branchenexperten gehen davon aus, dass allein in diesem Jahr der Verbrauch in der Türkei um über acht Prozent ansteigen wird. Auch in den kommenden Jahren wird mit einem Wachstum von mindestens sechs Prozent gerechnet, mehr als in den meisten europäischen Staaten. Sowohl die Privathaushalte als auch die Industrie verbrauchen immer mehr Strom. Gleichzeitig gibt es immer wieder Engpässe in der Energieversorgung, weil Reservekapazitäten fehlen. Immer wieder gibt es Black-outs, Stromausfälle. Und in den kommenden Jahren dürfte sich die Situation noch deutlich verschärfen, wenn nicht rasch in Kraftwerke und Netze investiert wird. Bis 2020 muss sich die Stromproduktion auf 400 000 Gigawattstunden fast verdoppeln, um mit dem wachsenden Bedarf Schritt zu halten, schätzen Experten.

Die ausländischen Interessenten stehen Schlange. Neben Eon haben auch andere Großkonzerne wie Enel, Suez, oder Iberdrola ein Auge auf den türkischen Markt geworfen. Auch der deutsche Konkurrent EnBW hat offen sein Interesse an der Türkei geäußert. Der Konzern bezeichnet das Land als eine der interessantesten Wachstumsregionen. Er ist sowohl am Kauf von Regionalversorgern interessiert als auch der Stromerzeugung. In Konzernkreisen wird erwartet, dass die Region auch unter dem neuen Chef Hans-Peter Villis oberste Priorität behalten wird.

Die Türkei lockt zwar mit hohen Wachstumsraten, noch sind die Rahmenbedingungen für ausländische Interessenten aber unsicher: Während der Bedarf an Kraftwerken offensichtlich ist, stockt die Privatisierung des Stromvertriebs. Eigentlich sollte der Markt bis 2012 vollständig liberalisiert werden. Im vergangenen Jahr hatte die türkische Regierung auch schon die ersten drei von 19 staatlichen Regionalversorger zum Verkauf gestellt. Anfang des Jahres stoppte sie aus wahltaktischen Gründen die Bieterverfahren aber wieder. Dabei standen die Bewerber Schlagen: 37 Konsortien hatten ihr Interesse bekundet. Zudem werden die Stromtarife trotz steigender Brennstoffkosten noch immer niedrig gehalten – was die Renditen der Kraftwerksbetreiber schmälert.

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