Internationale Konferenz in Wien
Alzheimerforschung: Kampf gegen das Vergessen

Die Pharmabranche wetteifert immer intensiver um einen Vorsprung bei der Alzheimertherapie. Für die Konzerne ist das ein vielversprechendes Wachstumsfeld. Fast alle großen Firmen forschen mittlerweile in diesem Bereich oder kaufen sich in laufende Projekte ein. Großartige Studienergebnissen sind an der am Freitag startenden Alzheimerkonferenz in Wien jedoch noch nicht zu erwarten.

FRANKFURT. Weltweit leiden rund 27 Mio. Menschen an Morbus Alzheimer. Bis 2050 soll die Zahl auf 100 Mio. steigen, schätzt die Internationalen Alzheimer Konferenz. Erst letzte Woche hat sich der Branchenriese Johnson & Johnson mit zunächst 500 Mio. Dollar an dem Alzheimer-Forschungsprogramm der irischen Firma Elan und dem amerikanischen Konzern Wyeth beteiligt.

Seit Jahren sucht die Branche nach Wirkstoffen, die den Ausbruch der Krankheit verhindern oder ihren Verlauf zumindest erheblich abschwächen können. Zahlreiche zunächst vielversprechende Forschungsprojekte mussten abgebrochen werden, etwa weil Menschen die in Tierversuchen noch erfolgreich getesteten Mittel nicht vertrugen. Andere Studien zeigten erst im Test an vielen hundert Patienten, also der letzten klinischen Testphase vor dem Zulassungsantrag, dass die Medikamente das Fortschreiten des Vergessens nicht aufhalten konnten.

Ab Freitag treffen sich Mediziner und Forscher aus aller Welt in Wien, um sich beim ICAD, der Internationalen Konferenz über die Alzheimer Erkrankung auf den neuesten Stand der Forschung zu bringen. Die Krankheit gilt als eine der großen Herausforderungen der Gesellschaft, weil sie nach wie vor unheilbar ist. Sie steigt mit fortschreitendem Alter sprunghaft an. Alzheimerpatienten brauchen eine besondere pflegerische Betreuung, weil sie verwirrt und häufig überaktiv sind. Verantwortlich für das fortschreitende Vergessen werden Ablagerungen, so genannte Plaques, im Gehirn gemacht. Diese zerstören die Verbindungen zwischen den Nervenzellen.

Dass auf der Alzheimerkonferenz in Wien ab Freitag großartige Studienergebnisse präsentiert werden und man schon bald neue Medikamente auf dem Markt hat, erwartet Michael Hüll, Professor und Alzheimer-Experte am Uniklinikum Freiburg, nicht. "Neue Medikamente werden im besten Fall erst 2012 auf dem Markt sein", sagt Hüll. Aktuell gibt es laut Verband der forschenden Arzneimittelhersteller weltweit zehn Alzheimer-Forschungsprojekte, die sich in der dritten Phase, also der letzten der klinischen Prüfung vor dem Zulassungsantrag, befinden.

Weitere 45 laufen laut Datenbank PharmaProjects in der zweiten Forschungsphase. So testet beispielsweise der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer in Kooperation mit dem in Kalifornien (USA) ansässigen Unternehmen Medivation Inc. den Wirkstoff Dimebon gegen leichte und mittelschwere Demenz. Dimebon wurde 1983 in Russland als Antihistaminikum eingeführt, verschwand aber bald wieder vom Markt, als neue Allergiepräparate auf den Markt kamen. Dimebon soll das Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung bremsen.

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