Internationale Rechnungslegung
Neuer Weltstandard für Fusionsbilanzen

Spätestens ab dem Sommer 2009 sollen Fusionen und Übernahmen weltweit nach gleichen Standards bilanziert werden. Darauf einigten sich das International Accounting Standards Board (IASB) mit dem amerikanischen Financial Standards Board (FASB). Die beiden Organisationen geben die Rechnungslegungsstandards IFRS und US-GAAP heraus, die weltweit als führend gelten.

DÜSSELDORF. Mit der Vereinbarung ist ein weiterer Schritt zu einheitlichen Bilanzen getan. „Bislang war es für Investoren sehr schwer, die Aktivitäten der Fusionspartner richtig einzuschätzen“, sagte IASB -Chairman David Tweedie am Donnerstag. Die Amerikaner hätten die weitgehende Änderung ihres Bilanzstandards akzeptiert, fügte er hinzu. In Vergleich dazu seien die Anpassungen im IFRS relativ gering.

Im Kern geht es darum, dass Beteiligungen künftig anders gebucht werden. Ändern sich die Kontrollverhältnisse, soll das ergebniswirksam sein; bleibt die Kontrolle unverändert, hat es keine Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung. Dadurch zeigt ein Unternehmen nicht mehr an, wenn eine Beteiligung etwa von 90 auf 80 Prozent sinkt und dabei Verkaufsgewinne eingefahren werden. Aus diesem Grund gab es schon im Vorfeld heftige Kritik an den IASB -Plänen.

„Es gibt eigentlich keinen Grund, einen gut laufenden Standard zu ändern“, sagt Guido Fladt, Chef der Grundsatzabteilung Internationale Rechnungslegung bei PwC. Um der Kritik an mangelnder Transparenz entgegenzusteuern, wendet die IASB erstmals ein neues Verfahren an. Gestern veröffentlichte das Board in London neben dem Standard selbst ein Feedback-Statement. Darin soll ausführlich begründet werden, warum sich die Organisation für Änderungen entschieden hat.

Inzwischen wenden fast alle kapitalmarktorientierten deutschen Unternehmen IFRS an, soweit nicht eine Notierung an den US-Börsen den Abschluss nach GAAP-Regeln erfordert. Auch europaweit hat sich IFRS bei den führenden Unternehmen etabliert.

Die Standardsetzer in London und den USA steuern nach langem Streit um die Anerkennung der unterschiedlichen Bilanzregeln inzwischen aufeinander zu. So ist es ausländischen Firmen an US-Börsen erlaubt, nun auch nach IFRS zu bilanzieren. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft sogar, ob amerikanische Unternehmen in Zukunft ihre Konzernbilanz nach IFRS vorlegen dürfen. Und weil viele Experten das US-GAAP schon für ein Auslaufmodell halten, halten sie Änderungen an den „Business-Combinations“-Regeln des IFRS für überflüssig.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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