Internationaler Tag gegen Kinderarbeit
Kinderarbeit: „Gefahr für jedes Unternehmen“

Jedes Unternehmen kann nach Ansicht von Maik Pflaum wegen des Einsatzes von Kinderarbeit in die Kritik geraten. Dann muss es gewaltige Umsatzeinbrüche fürchten. Der Referent für Entwicklungspolitik bei der Christlichen Initiative Romero, Mitbegründerin der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung, ist aber überzeugt, dass sich Kinderarbeit bei Lieferanten unterbinden lässt. Wie das Pflaum zufolge möglich ist.

Herr Pflaum, wegen des Einsatzes von Kinderarbeit gibt es immer wieder Vorwürfe gegen deutsche Unternehmen. Hat sich das in letzter Zeit verstärkt?

Grundsätzlich sind Vorwürfe wegen Kinderarbeit weniger geworden. Das hängt damit zusammen, dass Unternehmen in diesen Fällen gewaltige Umsatzeinbrüche fürchten müssen. Dennoch gelangen immer wieder Skandale an die Öffentlichkeit. Eine Erklärung dafür: Großkonzerne lassen weltweit fertigen, Lieferanten und Unterlieferanten wechseln häufig. Deshalb kennen die Auftraggeber sie oftmals nur lückenhaft. Das ist ein Problem.

Ist jeder Einsatz von Minderjährigen Kinderarbeit?

Von Kinderarbeit spricht man je nach Branche und Tätigkeit, wenn unter 15- oder unter 16-Jährige zum Einsatz kommen. Dabei halte ich es für unbedenklich, wenn beispielsweise ein Kind drei Stunden am Tag in der familiären Landwirtschaft hilft. Was ausbeuterische Kinderarbeit ist, hat die Internationale Arbeitsorganisation ILO definiert. So sind schwere Arbeiten tabu, die das Wachstum schädigen können, ebenso gesundheitsgefährdende Bedingungen am Arbeitsplatz und zu lange Arbeitszeiten. Dies trifft auf die Bekleidungsindustrie zu.

In welchen Bereichen wird besonders häufig auf Kinderarbeit zurückgegriffen?

Kritisch beobachten muss man neben der Bekleidungs- auch die Spielzeugindustrie oder den Abbau von Steinen in Indien. Kinderarbeit im großen Stil gab es auch bei der Herstellung von Teppichen. Aber da hat sich die Situation verbessert. Zu Problemen kann es besonders bei Unterlieferanten oder bei Heimarbeit kommen, denn da greifen die Kontrollmechanismen nicht mehr richtig.

Welche Unternehmen waren mit Vorwürfen konfrontiert?

Ein Kamerateam hat C&A vor vielen Jahren in Indien Kinderarbeit nachgewiesen. Zuletzt war Esprit in den Schlagzeilen. Puma und Adidas dagegen wurden schon länger nicht mehr beschuldigt. Entscheidend aber ist: Jedes Unternehmen kann in die Kritik geraten. Die Kontrollmechanismen reichen nicht aus, und die Auftraggeber versuchen, immer billiger einzukaufen. Das ist nur durch Hungerlöhne bei den Zulieferern möglich. Wenn die Eltern nicht genügend verdienen, um die Familie zu ernähren, steigt aber der Zwang, dass die Kinder mit ran müssen.

Seite 1:

Kinderarbeit: „Gefahr für jedes Unternehmen“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%