Internationalisierung
Inder greifen nach Firmen in Europa

Zukäufe indischer Firmen im Ausland nehmen lawinenartig zu. Bislang handelte es sich überwiegend um kleinere Deals. Doch der anvisierte Kauf des Stahlriesen Corus durch die Tata-Gruppe für acht Mrd. Dollar markiert einen Wendepunkt. Auf die bislang größte Auslandsakquisition eines indischen Unternehmens dürften bald mehrere dieser Art folgen - auch in Deutschland.

DELHI. „Inder fangen an, groß zu denken“, beobachtet Adil Zainulbhai. McKinseys Indien-Chef erwartet mehr Milliarden-Deals im Westen und sieht dies als „natürliche Weiterentwicklung“ nach vielen kleineren Zukäufen. Die Tata-Gruppe etwa hat sich mit 27 davon seit 2001 an den Corus-Coup herangetastet. In der selben Zeit hat der IT-Konzern Wipro siebenmal zugeschlagen, der Pharmahersteller Ranbaxy 15-mal. Das stärkt das Selbstvertrauen für mehr.

Dem Datenanbieter Dealogic zufolge haben Inder in den ersten neun Monaten des Jahres 112 Firmen in Übersee geschluckt und dafür 7,2 Mrd. Dollar ausgegeben. Mit Corus verdoppelt sich die Summe nun. Im gesamten Vorjahr kamen nur 4,5 Mrd. Dollar zusammen und 2004 erst 1,5 Mrd. Inzwischen geben Inder mehr Geld für grenzüberschreitende M&A-Deals aus als in ihr Land kommt.

Das ist kurios für ein Entwicklungsland. Doch Zainulbhai erstaunen die Internationalisierungs-Bemühungen indischer Firmen nicht. „Sie schwimmen in Cash, haben leichten Zugang zu internationalem Kapital und sind global konkurrenzfähig“, erläutert er, „alle Zutaten für mehr große Deals sind vorhanden.“

In Branchen, die unter Konsolidierungsdruck stehen wie Auto und Stahl suchen Inder ihr Heil in Größe wie andere. „Wir müssen schnell wachsen, damit wir unabhängig bleiben“, begründet ein Manager von Tata Steel den Vorstoß auf Corus. Daneben verhilft der Boom auf ihrem Binnenmarkt Firmen zu Wachstumsraten und Gewinnmargen, von denen internationale Wettbewerber oft nur träumen können. Dank der Börseneuphorie können sie Kapital zu hohen Bewertungen aufnehmen, und Kreditinstitute drängen ihnen Geld auf. „Alle Banken der Welt wollen uns finanzieren“, verkündete Tatas Executive Director Alan Rosling vorige Woche, „und sie bieten uns ständig Deals an.“ Das bestätigt ein europäischer Banker in Bombay: „Westliche Institute treten Firmen in Indien die Tür ein“, berichtet er.

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